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Lupe Bewerbungskurse helfen ALG-II-Beziehern kaum

Neben Ein-Euro-Jobs sind Trainingsmaßnahmen das wichtigste Instrument bei der Betreuung von Hartz-IV-Empfängern. Doch nicht jedes Training taugt: Bewerbungs-Schulungen sind einer Studie zufolge meist zwecklos.

Betriebliche Praktika und Trainingsmaßnahmen helfen Langzeitarbeitslosen laut einer Studie besonders effektiv bei der Stellensuche. Bewerbungstrainings bringen Hartz-IV-Empfängern dagegen in der Regel nichts, wie sich aus der am Montag veröffentlichten Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ergibt.

Hier lernen die Teilnehmer zwar, ihre Bewerbungsunterlagen professioneller auszuarbeiten, und sie werden auf Vorstellungsgespräche vorbereitet. Doch für die Ausübung des Jobs spielten solche Kenntnisse in der Regel keine maßgebliche Rolle, schreiben die Autoren der IAB-Studie. Im Gegenteil: Die Teilnehmer fanden im Schnitt sogar seltener als andere Hartz-IV-Empfänger innerhalb von 17 Monaten eine Beschäftigung, die mindestens zwölf Monate dauerte.

So war die Bilanz für die Teilnehmer im Westen ein Nullsummenspiel: Bei Männern veränderte sich der Anteil der längerfristig Beschäftigten um 0,0 Prozentpunkte, bei Frauen ergab sich ein Minus von 0,1 Punkten. Im Osten sanken die Werte sogar um minus 2,9 Prozentpunkte bei den Männern und um minus 1,4 Prozentpunkte bei den Frauen.

Falsche Leute «reingesteckt»
Ein Grund dafür könne sein, dass die Schulungsinhalte womöglich zu wenig auf die Probleme der einzelnen Teilnehmer bei der Stellensuche zugeschnitten sind, sagte IAB-Experte Joachim Wolff der Nachrichtenagentur dpa. So deuteten die Daten darauf hin, «dass da zum Teil Leute reingesteckt werden, die das nicht brauchen».

Denn ein Bewerbungstraining sei in erster Linie etwas für Arbeitslose, die noch nicht lange berufstätig waren. «Oder für diejenigen, die vorher zehn Jahre durchgehend gearbeitet haben, dann hat sich unter Umständen ja viel geändert.» Anderen Arbeitslosen bringt es dagegen nicht unbedingt etwas, das Verfassen von Lebensläufen zu üben.

Besser sind Trainings im Betrieb
Eine lohnende Alternative sind laut dem IAB dagegen betriebliche Trainings wie ein Praktikum – sie erhöhen die Beschäftigungschancen von Arbeitslosengeld-II-Empfängern deutlich. Die Absolventen solcher Trainingsmaßnahmen blieben der Studie zufolge längere Zeit beschäftigt als Erwerbslose ohne ein solches Training. Ihre Beschäftigungsquote lag um bis zu 21 Prozentpunkte höher als bei Arbeitslosen ohne eine solche Förderung.

Bei betrieblichen Trainingsmaßnahmen könnten die Bewerber gezielt und praxisnah die im jeweiligen Unternehmen geforderten Kenntnisse erwerben, fassten die Arbeitsmarktforscher ihre Studienergebnisse zusammen. Auch Betriebspraktika steigern demzufolge die Chancen auf eine neue Stelle deutlich. Untersucht wurde, wie viele Teilnehmer in den ersten 28 Monaten nach einer Trainingsmaßnahme einen neue Stelle fanden.

Bisher werden aber nur rund ein Drittel der Trainingsmaßnahmen für Hartz-IV-Empfänger in Betrieben angeboten. Insgesamt absolvierten nach IAB-Angaben 630.000 Arbeitslosengeld-II-Bezieher 2008 ein in der Regel einmonatiges Training. Solche Maßnahmen sind nach den Ein-Euro-Jobs das wichtigste arbeitspolitische Instrument bei der Betreuung von Langzeitarbeitslosen. (nz/dpa)