14.09.2009
Herausgeber: netzeitung.de
France-Télécom-Chef Didier Lombard (l.) und Sozialminister Xavier Darcos
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Nun schaltet sich sogar die französische Regierung ein: Nach 23 Selbstmorden in nur 18 Monaten beim Unternehmen France Télécom fordert die Wirtschaftsministerin von der Firmenleitung mehr Dialog mit den Mitarbeitern.
Nach einer Serie von Selbstmorden bei France Télécom hat die französische Regierung den Konzern zum Dialog mit seinen Mitarbeitern aufgefordert. Die Unternehmensleitung müsse alles tun, um herauszufinden, ob die Umstrukturierungen Auslöser der Selbstmorde seien, sagte Wirtschaftsministerin Christine Lagarde am Montag dem Sender France 3.
Sie habe den Télécom-Chef gebeten, umgehend einen Verwaltungsrat einzuberufen. «Wir brauchen eine starke Botschaft von der obersten Ebene an alle Mitarbeiter», sagte die Ministerin. In den vergangenen 18 Monaten haben sich nach Gewerkschaftsangaben 23 Beschäftigte das Leben genommen.
Zuletzt stürzte sich am Freitag eine 32-Jährige während der Arbeitszeit aus dem Fenster. Arbeitsminister Xavier Darcos will am Dienstag mit Unternehmenschef Didier Lombard über die Selbstmordserie sprechen. «Ich bin tief getroffen, das ist schrecklich», sagte Personalchef Olivier Barberot am Wochenende der Sonntagszeitung «Journal du Dimanche». Er habe noch am Samstag alle Betriebsärzte angeschrieben und sie um Mithilfe geben.
Betriebsräte sollen helfenKünftig sollen die Betriebsärzte soweit es die Schweigepflicht erlaubt psychisch labile Mitarbeiter melden. Die Gewerkschaften gehen davon aus, dass ein Teil der Selbstmorde direkt auf die Arbeitsbedingungen und den Konzernumbau bei France Télécom zurückzuführen ist.
Erst am Mittwoch hatte ein Techniker für Aufregung gesorgt. Er rammte sich vor seinen Kollegen ein Messer in den Unterleib, weil er einen anderen Posten übernehmen sollte. Die Verletzungen waren jedoch nicht tödlich. Nach diesem Fall hatte France Télécom bereits angekündigt, Personalveränderungen bis zum 31. Oktober auszusetzen.
Zudem soll es unter anderem Gespräche über Stress bei der Arbeit geben. Die Angestellte, die sich am Freitag das Leben nahm, sollte einen neuen Chef bekommen. Sie habe aber auch persönliche Probleme gehabt, sagte Barberot. In den vergangenen Jahren wurden 22.000 Stellen abgebaut und 7000 Mitarbeiter versetzt. (dpa)