Verzweiflungs-Tweets nach Kündigung: 

netzeitung.de«Chef hat mich gefeuert! #Entlassen»

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Verzweiflungs-Tweets nach Kündigung 

Lupe «Chef hat mich gefeuert! #Entlassen»

Gekündigt! Und nun? Erstmal den Frust auf Twitter oder Facebook posten, das machen mittlerweile viele. Vielleicht kommt man so ja auch an einen neuen Job. Zur Vorsicht mahnt dagegen so mancher Online-Experte.

So geht es gerade zahlreichen Menschen: Man wird ins Chefzimmer gerufen und erfährt, dass es den eigenen Arbeitsplatz bald nicht mehr gibt. Frustriert fährt man nach Hause, setzt sich an den Computer und wird von Facebook gefragt: «An was denkst Du gerade?»

Soll man dem Netz von Freunden und Bekannten mitteilen, dass man den Arbeitsplatz verloren hat? Viele Nutzer eines Online-Netzwerks verwenden die «Statuszeile», um die Welt von solchen Schicksalsschlägen zu unterrichten. Aufmerksamkeit ist ihnen sicher, denn «nichts ist anziehender als Verzweiflung», wie Geoffrey Abraham aus Portland, Oregon, in seinem Blog Looklefty feststellt.

Bislang gibt es noch keine sozialen Regeln, was im Netz akzeptabel ist und wo die Grenzen liegen. Abraham plädiert für Zurückhaltung und fordert: «Let's Keep Facebook Fun, People» - Facebook soll Spaß machen.

Andere sehen in Facebook gerade einen Ausweg aus der drohenden Verzweiflung und die Möglichkeit, sich wieder die Kontrolle über die eigene Situation zu verschaffen. Zu ihnen gehört Christina Zila, die im April ihre Stelle bei einer PR-Firma in Las Vegas verlor.

Nach der Entlassung erst einmal einen Tweet abgeschickt
«Nachdem ich meine Sachen gepackt hatte, war eines der ersten Dinge, dass ich einen Tweet abgeschickt habe», sagt Zila. Über den Kurzmitteilungsdienst von Twitter kann man auch den Status des Facebook-Profils aktualisieren. «Damals habe ich das damit begründet, dass ich so meinen Freunden und Kontakten am besten mitteilen konnte, was geschehen ist.» Sie habe das bewusst neutral formuliert, weil sie keine Brücken habe abreißen wollen.

Schließlich erhielt sie mehrere Hinweise auf neue berufliche Möglichkeiten. Am wichtigsten aber sei für sie die Unterstützung und das Verständnis von Freunden im ganzen Land und in aller Welt gewesen, erklärt Zila. Danach sei es für sie auch einfacher gewesen, Freunde persönlich zu treffen. So habe sie nicht erst alles mühsam erklären müssen. «Entlassen zu werden, hat wenig oder gar nichts mit der eigenen persönlichen Leistung zu tun», sagt Zila.

«Warum sollte man dann ein Geheimnis daraus machen?» Je mehr Leute wüssten, dass man auf der Suche nach einer neuen Stelle sei, desto mehr Unterstützung gebe es dafür. Drei Wochen später hatte Zila einen neuen Arbeitsplatz. «Das wurde natürlich bei Twitter und Facebook verkündet, zum Teil auch deswegen, um meinem neuen Unternehmen etwas kostenlose PR zu geben.»

«Unsere Probleme werden zur Unterhaltung für andere»
Weit kritischer betrachtet Hal Niedzviecki den Mitteilungsdrang im Netz. Der Autor des Buchs «The Peep Diaries: How We're Learning To Love Watching Ourselves and Our Neighbors» (Die Guckloch-Tagebücher - Wie wir lernen, unsere Nachbarn und uns selbst gern zu beobachten) meint: «Wir benutzen das Leben anderer Menschen für unsere Unterhaltung. Unsere Probleme werden zur Unterhaltung für andere. Tragödien sind großartige Unterhaltung.»

Wenn im eigenen Leben etwas Dramatisches passiere, dann finde man unweigerlich Aufmerksamkeit im Netz. «Andererseits - ist das die Art von Aufmerksamkeit, die Sie wollen?» Wahrscheinlich muss jeder selbst die persönliche Strategie im Online-Netzwerk gestalten. Die Texanerin Dayna Steele, eine Beraterin für den Umgang mit sozialen Medien, rät dazu, die Mitteilungen in der Statuszeile sorgfältig zu formulieren.

Auch der Blogger Geoffrey Abraham hat ein Posting über seine eigene Entlassung verfasst - er habe es aber mit «nicht ganz ernst gemeint». Und er rät, das auch nur ein einziges Mal zu tun. «Danach haben die Leute nur noch Mitleid. Und das macht die Sache nur scheußlicher.» (Caryn Brooks/AP)