Studie zur Arbeitsproduktivität:
Befreundete Kollegen sind arbeitsfreudiger
28.05.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Wer in Sichtweise eines Freundes arbeitet, ist unter Umständen leistungsfähiger.
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Arbeitgeber sollten soziale Kontakte unter ihren Mitarbeitern fördern, denn Freundschaften im Job steigern die Leistungsfähigkeit. Allerdings darf der soziale Kontakt nicht stören.
Wer am Arbeitsplatz leistungsstarke Freunde hat, arbeitet selbst produktiver. Zu diesem Ergebnis sind britische und US-amerikanische Wissenschaftler in einer Studie gekommen, die das Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) am Donnerstag ins Internet gestellt hat. Die Forscher hatten die Produktivität von Obstpflückern untersucht. Freundschaften könnten aber auch in Bürojobs die Leistung steigern, sagte IZA-Mitarbeiter Steffen Altmann der Nachrichtenagentur epd.
In der Studie zeigte sich ein erstaunlicher Effekt: Wurde ein leistungsschwächerer Arbeiter in Sichtweite seines Freundes eingesetzt, dann legte er sich besonders ins Zeug und pflückte zehn Prozent mehr Obst als sonst. Aber auch der geübtere Freund passte sich dem Tempo des Schwächeren an. Er tat dies sogar, obwohl ihm das als Akkordarbeiter Lohneinbußen von bis zu zehn Prozent bescherte.
Freunde entwickeln gemeinsame ArbeitsnormenAls Erklärung für die beobachteten Produktivitätsveränderungen führen die Verhaltensökonomen an, dass Freunde oft gemeinsame Arbeitsnormen entwickeln, die etwa in der Mitte des Leistungsniveaus des jeweils Schwächsten und Stärksten liegen. Von Bedeutung sei dabei die räumliche Nähe befreundeter Kollegen, so dass die Beschäftigten die sozialen Kontakte auch während der Arbeit pflegen können.
Nach den Ergebnissen der Wissenschaftler hätte der Obstbaubetrieb insgesamt drei Prozent mehr Umsatz erwirtschaften können, wenn es organisatorisch möglich gewesen wäre, immer Freunde zusammen arbeiten zu lassen. Iwan Barankay von der University of Pennsylvania, einer der Verfasser der Studie, sagte dazu: «Die Beobachtungen legen nahe, dass soziale Anreize neben finanziellen Anreizen zur Leistungssteigerung beitragen können und daher bei der Entwicklung eines optimalen Entlohnungsmodells berücksichtigt werden sollten.»
Verstärkter InformationsaustauschFreundschaften könnten vor allem dort wirksam werden, «wo sozialer Kontakt den Arbeitsablauf nicht stört», sagte Steffen Altmann, stellvertretender Programmdirektor des IZA. «Bei Bürojobs können sie hilfreich sein, denn bei privaten Treffen von Arbeitskollegen wird viel über die Arbeit gesprochen, und so werden verstärkt Informationen ausgetauscht», sagte Altmann. (epd)