Konzept für den Arbeitsmarkt:
Hartz kann es nicht lassen
Dabei galt Hartz einst als Hoffnungsträger und Manager einer neuen Generation, der es verstand, die Interessen von Belegschaft und Konzernspitze unter einen Hut zu bringen. Geradezu ein «Wundermann», dem gleichzeitig nachgesagt wurde, er sei Realist sowie Visionär. Das war damals nett gemeint, ebenso wie die Attribute unkonventionell, ideenreich und weitsichtig, mit denen er geschmückt wurde. Der Arbeitersohn, selbst SPD- und IG Metall-Mitglied, rettete bei VW durch Einführung der Vier-Tage-Woche immerhin zehntausende Arbeitsplätze und schuf durch das Projekt «5000 mal 5000» weitere Stellen im Konzern. Die Mitarbeiter feierten ihn wie einen Popstar, und er genoss das Vertrauen der Politiker. Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder nannte ihn vor sechs Jahren sogar einen «Freund und Weggefährten», als er Hartz an die Spitze der Reformkommission für den Arbeitsmarkt berief. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere erhielt er das Bundesverdienstkreuz erster Klasse.
Heute würde bei VW niemand mehr Hartz zujubeln und wer weiß, ob Schröder seinem einstigen Vorzeigemanager heute überhaupt noch die Hand reichen würde. In der schlüpfrigen VW-Affäre um veruntreute Summen für Prostituierte und Lustreisen sowie Schmiergelder an den einstigen VW-Betriebsratschef wurde der Saarländer 2007 zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Zum Hass vieler Deutscher auf den Namenspatron der Arbeitsmarktreformen gesellte sich auch noch der Hohn. Kleinlaut gab Hartz das Bundesverdienstkreuz wieder ab und zog sich in seine Heimat zurück.
Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der «Berliner Zeitung».

