Konzept für den Arbeitsmarkt: 

netzeitung.deHartz kann es nicht lassen

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Peter Hartz (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Peter Hartz
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Der Mann, dessen Name für viele Menschen in Deutschland für Sozialabbau und Verarmung steht, hat ein neues Konzept für den Arbeitsmarkt. Ruprecht Hammerschmidt hört schon die Stoßzeufzer der Arbeitslosen.

«Oh Gott, er hat schon wieder eine Idee», sollen sich die Mitarbeiter von Peter Hartz regelmäßig auf den Fluren von VW zugeraunt haben, als dieser noch Personalvorstand des Automobilkonzerns war. Für sie bedeuteten dessen Visionen reichlich Detailarbeit. Das war noch in den guten Zeiten des einstigen Topmanagers, also im Jahr 2002 - vor der heftigen Kritik an den nach ihm benannten Arbeitsmarktreformen und vor allem vor der Schmiergeld-Affäre beim größten Autobauer Europas.

Den Stoßseufzer könnte man zukünftig auch von manchem Arbeitslosen im Saarland zu hören bekommen. Denn der Mann, dessen Name für viele Menschen in Deutschland für Sozialabbau und Verarmung steht, legt am Donnerstag gemeinsam mit dem Jobcenter in Saarbrücken ein neues Konzept für den Arbeitsmarkt vor. Das Pilotprojekt soll helfen, Langzeitarbeitslosen wieder einen Arbeitsplatz zu vermitteln. Sollte das Programm erfolgreich verlaufen, könnte es womöglich in der gesamten Bundesrepublik eingeführt werden. Eine Vorstellung, die so manchen erschaudern lässt. Nach den Erfahrungen mit der Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zu Hartz IV dürften Reformkritiker vom Namensgeber wenig Gutes für die Betroffenen erwarten.

Dabei galt Hartz einst als Hoffnungsträger und Manager einer neuen Generation, der es verstand, die Interessen von Belegschaft und Konzernspitze unter einen Hut zu bringen. Geradezu ein «Wundermann», dem gleichzeitig nachgesagt wurde, er sei Realist sowie Visionär. Das war damals nett gemeint, ebenso wie die Attribute unkonventionell, ideenreich und weitsichtig, mit denen er geschmückt wurde. Der Arbeitersohn, selbst SPD- und IG Metall-Mitglied, rettete bei VW durch Einführung der Vier-Tage-Woche immerhin zehntausende Arbeitsplätze und schuf durch das Projekt «5000 mal 5000» weitere Stellen im Konzern. Die Mitarbeiter feierten ihn wie einen Popstar, und er genoss das Vertrauen der Politiker. Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder nannte ihn vor sechs Jahren sogar einen «Freund und Weggefährten», als er Hartz an die Spitze der Reformkommission für den Arbeitsmarkt berief. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere erhielt er das Bundesverdienstkreuz erster Klasse.

Heute würde bei VW niemand mehr Hartz zujubeln und wer weiß, ob Schröder seinem einstigen Vorzeigemanager heute überhaupt noch die Hand reichen würde. In der schlüpfrigen VW-Affäre um veruntreute Summen für Prostituierte und Lustreisen sowie Schmiergelder an den einstigen VW-Betriebsratschef wurde der Saarländer 2007 zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Zum Hass vieler Deutscher auf den Namenspatron der Arbeitsmarktreformen gesellte sich auch noch der Hohn. Kleinlaut gab Hartz das Bundesverdienstkreuz wieder ab und zog sich in seine Heimat zurück.

Sein neues Projekt ist vielleicht der Versuch des 67-Jährigen, seinen arg befleckten Namen wieder ein wenig reinzuwaschen - denn als eitel gilt er auch.

Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der «Berliner Zeitung».