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Nebenjob als Spieletester: 

Spielend Geld verdienen

26. Nov 2008 16:48
Was die wohl zu Hause von der Arbeit erzählen? Spieletester im Einsatz
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Spieletester am PC oder an der Konsole - was für so manchen Jugendlichen wie ein Traumjob klingt, ist in der Realität harte Arbeit mit vielen Vorschriften bei geringer Bezahlung. Doch es gibt Aufstiegschancen.

Am Ende heißt es «test to destroy»: Die Spieler drücken wilde Tastenkombinationen oder versuchen, aus der Spielewelt auszubrechen. Kurz: Sie halten sich an keine Regel. Ziel ist es, das Spiel zum Absturz zu bringen oder ein «Deadlock» zu erreichen - eine Situation, in der es nicht weitergeht.

So wird ein neuer Titel für PCs und Konsolen kurz vor der Veröffentlichung auf letzte Fehler geprüft. Diesen Job übernehmen Spieletester. Das sind neben Festangestellten vor allem Studenten oder auch Schüler. Gute Tester werden immer gesucht. Wer diesen Nebenjob anstrebt, braucht neben der Lust am Spielen vor allem Ausdauer. Dafür hat er aber auch gute Chancen, einen Fuß in die Spielebranche zu bekommen.

«Viele Leute haben völlig falsche Vorstellungen vom Testen», sagt Michael Höhndorf von Quality Four in Potsdam. Die Firma hat sich auf das Testen von Computer- und Konsolenspielen, die «Quality Assurance» (QA), spezialisiert. «Es ist nicht so, dass man nur ein paar Stunden vor sich hin daddelt.»

Die Tester müssen die meiste Zeit nach genau definierten Testplänen arbeiten und bestimmte Handlungsabläufe überprüfen. Das kann bedeuten, in einem Spiel von Punkt A nach Punkt B zu gehen und unterwegs vorgegebene Aufgaben zu lösen. Soll ein Geldkreislauf geprüft werden, müssen Tester dagegen immer wieder Waren kaufen und verkaufen und dabei die Werte im Blick haben.

Studenten und Schüler

Spieletester werden bei Entwicklern und bei Publishern gesucht. Freie Stellen stehen auf den Internetseiten der Firmen. Die meisten suchen Studenten. «Wir stellen auch Schüler ein», sagt Pan Schröder vom Publisher dtp-entertainment in Hamburg, «die testen Kindertitel.»

Wer sich für den Job als Tester interessiert, sollte eine Leidenschaft für Spiele mitbringen. Erfahrungen mit unterschiedlichen Titeln sind hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich. «Wir brauchen alle Arten von Testern», sagt Schröder. Wer wenige Kenntnisse mitbringt, bemerke eher, wenn ein Spiel nicht selbsterklärend ist. Laut Frank Fay sind allerdings Computerkenntnisse und Erfahrungen mit Datenbanken nützlich: «Man sollte schon eine Betriebssystem-Einstellung vornehmen können», sagt der QA-Leiter der Firma Keyfactor in Eschborn (Hessen), die unter anderem Spiele für Atari testet.

Gutes Schulenglisch erforderlich

Da die Entwicklersprache Englisch ist, müssen Bewerber mindestens Schulenglisch sprechen. Außerdem sollten sie sich schriftlich ausdrücken können, schließlich müssen komplexe Handlungen auf dem Bildschirm für die Fehlerdatenbank in Worte gefasst werden. Wichtig ist ein gutes Vorstellungsvermögen. «Wenn man ein halbfertiges Spiel testet, muss man sich vorstellen können, wie es einmal aussehen wird», erklärt Fay. Begehrt sind ihm zufolge Fremdsprachentester, die gut Italienisch, Spanisch oder Französisch sprechen.

In der Regel verlangen die Firmen einen Probearbeitstag. «Bei uns müssen sie ein Testszenario durchlaufen. Wir schauen, ob ein Bewerber die eingebauten Fehler findet und in Englisch und Deutsch posten kann», sagt Höhndorf. Schlecht prüfen lässt sich für die Firmen dagegen eine andere und vielleicht die wichtigste Qualifikation: die Ausdauer. Denn das Testen kann sehr öde sein. Trat ein Fehler in einer bestimmten Situation auf, müssen die Tester diese immer wieder spielen - manchmal 100 Mal - und prüfen, wie oft und vor allem wann der Fehler sich wiederholt. Das ist wichtig für die Programmierer.

Ein Jahr lang Tests an «Sacred II»

Die Tester prüfen auch den Schwierigkeitsgrad: «Man muss sich in die Spieler reindenken und überlegen, wo es zu schwer oder zu einfach wird», sagt Schröder. So wird die Spielschwierigkeit eingestellt. Solche Testphasen können sich über Monate hinziehen. «Sacred II zum Beispiel wurde über ein Jahr lang getestet», sagt Höhndorf.

In der Regel sind die Tester einem Spiel zugeordnet. Damit sie bei den wiederkehrenden Spielszenarien nicht durchdrehen, werden sie aber durchgewechselt. «Sonst wird man auf Dauer zu betriebsblind», sagt Pan Schröder. Prinzipiell müssen Tester für jeden Titel offen sein. Bewirbt sich jedoch ein begnadeter Adventure- oder Jump'n'Run-Spieler, wird er nach Möglichkeit in diesem Bereich eingesetzt.

Obwohl sich immer mehr Studiengänge mit der Spieleentwicklung beschäftigen, kann auch der Testerjob ein Einstieg in die Branche sein. «Gute Tester werden immer gesucht, vor allem welche, die dabei bleiben», sagt Fay. Sie können vom freien zum festangestellten Tester und weiter zum QA-Leiter oder zu einem Projektleiter aufsteigen - ein Weg, den Michael Höhndorf von Quality Four genau so gegangen ist.

Tester hat keinen Acht-Stunden-Job

In der Masterphase eines Spiels - kurz vor der Veröffentlichung - wird es bei Entwicklern und Publishern meistens hektisch. Dann arbeiten die Firmen bis spät in die Nacht - und sind froh, wenn ihre Tester das mitmachen. «Das ist kein normaler Acht-Stunden-am-Tag-Job», sagt Michael Höhndorf von Quality Four. Bezahlt werden Tester in der Regel nach Stunden, der Lohn liegt bei sechs bis zehn Euro. (Carina Frey, dpa)

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