21.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Was tun beim Booten? Computerarbeitsplatz
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Wann genau beginnt die Arbeitszeit? Wenn der Angestellte den Power-Knopf des Rechners drückt oder wenn der Rechner betriebsbereit ist? In den USA wird diese Frage wohl vor Gericht geklärt werden müssen.
Morgens braucht der Computer einige Minuten zum Hochfahren, abends einige Minuten zum Runterfahren, da kann mit der Zeit schon etwas zusammenkommen. Genau um diese Zeit geht es momentan bei einer Reihe von Klagen in den USA, mit denen sich mehrere große Unternehmen konfrontiert sehen.
Ein jüngst erschienener Artikel im renommierten US-Fachblatt «The National Law Journal» macht darauf aufmerksam, dass gegen Firmen wie den Telefondienstleister AT&T sowie diverse Callcenter der Versicherungen Cigna Corp und UnitedHealth derzeit in diesem Zusammenhang Sammelklagen von unzufriedenen Mitarbeitern anhängig seien.
Die Unternehmen zählten das Hoch- und Runterfahren des Rechners nicht zur Arbeitszeit, die Kläger - nach Angaben des «The National Law Journal» handelt es sich um Hunderte - dagegen sehr wohl.
«Booten» ist ArbeitszeitVor allem das auch «Booten» genannte Hochfahren von Microsofts Betriebssystem Vista kann dauern. Wohl nur so ist es zu verstehen, wenn im Artikel des «The National Law Journal» Mark Thierman, ein Anwalt aus Las Vegas, mit den Worten zitiert wird: «Es handelt sich um eine gute halbe Stunde pro Tag, für die die Leute nicht bezahlt werden. Das summiert sich.»
Er vertritt vor allem Angestellte, die auf Stundenbasis bezahlt werden, und betont, dass die Mitarbeiter während des Bootens bereits ihrer Arbeit nachgingen Papierkram erledigen, telefonieren, den Kalender nach Terminen absuchen. Nach der Ansicht Thiermans handelt es sich beim Hoch- und Runterfahren eindeutig um Arbeitszeit.
«Booten» ist PauseAnwalt Richard Rosenblatt, der die verklagten Unternehmen vor Gericht vertritt, meint hingegen, beim «Booten» handele es sich um eine Art Pause. Die Mitarbeiter gingen «erstmal rauchen, sprechen mit Freunden, holen sich Kaffee sie arbeiten nicht, und alles, was sie bis dahin getan haben, ist den Powerschalter am Computer zu drücken oder ein Passwort einzugeben.» Das sei definitiv keine Arbeit.
Diesen Widerspruch müssen bald wohl die Gerichte klären. (nz)