Zwischen beiden Seiten liegen Welten: 

netzeitung.deIG Metall kündigt Warnstreik-Welle an

 Herausgeber: netzeitung.de

Acht Prozent mehr Geld will die IG Metall - 2,9 Prozent bieten die Arbeitgeber (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Acht Prozent mehr Geld will die IG Metall - 2,9 Prozent bieten die Arbeitgeber
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

In der Nacht zum Samstag startet die IG Metall Warnstreiks unter anderem bei Audi und Osram - und das ist erst der Anfang. Die Metallindustrie steht vor einem der heftigsten Arbeitskämpfe seit Jahren.

Auf die Metall- und Elektroindustrie rollt in der kommenden Woche eine der massivsten Warnstreik-Wellen der Geschichte zu. Nach Vorlage eines Arbeitgeberangebots und dem Abbruch der Gespräche in den großen Tarifbezirken hat die IG Metall zehntausende Beschäftigte zu kurzzeitigen Arbeitsniederlegungen in der Nacht zum Montag aufgerufen.

Wie die Gewerkschaft mitteilte, wird es erste Warnstreiks schon in der Nacht zum Samstag geben. Davon betroffen werden unter anderem der Autobauer Audi in Neckarsulm und Ingolstadt sowie der Glas- und Lampenproduzent Osram in Berlin-Spandau sein. Eine massive Ausweitung der Aktionen ist für Montag angekündigt. In der Branche sind bundesweit 3,6 Millionen Menschen beschäftigt.

Die Arbeitgeber hatten am Donnerstagabend erstmals ein Angebot auf den Tisch gelegt: 2,1 Prozent höhere Einkommen für das kommende Jahr plus Einmalzahlungen für die Monate November und Dezember von insgesamt 0,8 Prozent bezogen auf das Jahreseinkommen. Das lehnte die IG Metall durchweg als unzumutbar ab. Sie fordert acht Prozent höhere Einkommen. Die Friedenspflicht endete am Freitag um Mitternacht.

Gesamtmetall: Inflation abgedeckt
Am Freitag wurden die Verhandlungen in mehreren Bezirken vertagt. Verhandelt wurde für die mehr als zwei Millionen Beschäftigten der Branche in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und in den Bezirken Mitte (Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland) und Küste.

Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser verteidigte das Angebot und sagte im Westdeutschen Rundfunk (WDR): «Wir stehen vor einem Jahr, in dem wir kaum eine Erhöhung der Produktivität erwarten.» Er fügte hinzu: «Es wird im nächsten Jahr eine Inflationsrate von zwei Prozent erwartet. Und genau die hätten wir mit unserem Angebot abgedeckt.»

Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer sagte nach der kurzen Verhandlungsrunde von gut einer Stunde in Bamberg: «Ab Montag geht es rund in allen Regionen Bayerns.» 230 Euro durchschnittliche Einmalzahlung seien «eine Lachnummer». Das Angebot von 2,1 Prozent für das kommende Jahr liege unterhalb der Preissteigerungsrate. «Die Arbeitgeber wollen offenbar Warnstreiks. Die Beschäftigten werden ab heute Nacht die entsprechende Antwort geben», sagte Neugebauer.

«Nicht für Finanzkrise in Regress nehmen»
«Die Wut bei den Beschäftigten über das mickrige Angebot ist groß», unterstrich Hannovers IG Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine. Die «halsstarrige Haltung» des Arbeitgeberverbandes NiedersachsenMetall machten Warnstreiks unumgänglich. «Wir lassen uns nicht für die Finanzmarktkrise in Regress nehmen», sagte Meine.

Gewerkschaftschef Berthold Huber brachte als Marke für einen Abschluss am Freitag den Tarifabschluss in der Stahlindustrie in Höhe von 5,2 Prozent ins Spiel. Auf die Frage, ob dieser Abschluss die Messlatte sei, sagte Huber der «Bild»-Zeitung: «Das werden wir sehen. Sicher ist, dass dieser Abschluss bei den Beschäftigten voll und ganz auf Zustimmung getroffen ist.»

Huber machte zudem klar, dass ab Montag eine Warnstreikwelle und danach möglicherweise ein unbefristeter Streik droht: «Von Montag an folgt die eigentliche Welle – das ist nur eine Warnung. Wenn wir nicht zu einem Ergebnis kommen, könnte nach einer Urabstimmung Mitte November richtig gestreikt werden.» (dpa/AP)