02.08.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Automatenfachmann
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Berufswelt wird in diesem Sommer wieder ein bisschen bunter. Ab diesem Sommer können sich Schulabgänger zum Automatenfachmann oder zum Speiseeishersteller ausbilden lassen.
Ab sofort können sich Schulabgänger erstmals zum Speiseeishersteller ausbilden lassen. Neu ist auch der Beruf des Automatenfachmanns oder der des Personaldienstleistungskaufmanns. Insgesamt sieben Berufe stehen ab dem kommenden Ausbildungsjahr neu zur Verfügung. Außerdem wurden einige Ausbildungsordnungen modernisiert. Von Gewerkschaftsseite kommt aber auch Kritik samt der Warnung vor der Schaffung von Nischenberufen.
Was macht ein Automatenfachmann beziehungsweise eine -fachfrau? Neben den naheliegenden Tätigkeiten wie Aufstellen und Wartung von Automaten stehen auch Abrechnungen und Kassenabschlüsse auf dem Programm oder die Ermittlung des Konsumverhaltens, wie es beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn heißt. Die Ausbildung selbst ist auf drei Jahre samt Berufsschulbesuch angelegt. Sie soll für den späteren Einsatz in Unternehmen der Automatenwirtschaft oder in Verkehrsunternehmen, gastronomischen Betrieben, Geldinstituten oder Freizeiteinrichtungen vorbereiten.
Bereits nach zwei Jahren können Lehrlinge die Ausbildung beenden und als «Fachkraft für Automatenservice» arbeiten. «Es gibt harte Kriterien, die erfüllt sein müssen, damit eine Tätigkeit zu einem Ausbildungsberuf wird», sagt Petra Westpfahl, die beim BIBB Projektleiterin im Bereich Metallberufe ist. Dazu gehört nach ihren Worten zum Beispiel, dass die Arbeitsaufgaben nicht schon längst von anderen Berufen hinreichend abgedeckt sind. Außerdem muss sichergestellt sein, dass die Ausbildungsziele in einem überschaubaren Rahmen bewältigt werden können. «Die Lehrlinge müssen auch genügend Perspektive haben, sich in diesem Bereich weiterentwickeln zu können», erläutert Westpfahl. Es dürften eben keine Nischenberufe sein, bei denen die Lehrlinge quasi nur in ihrem Betrieb arbeiten können, nicht aber in anderen Firmen.
Wirklich neue BerufeIn diese Richtung zielt die Kritik des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB): «Wir wollen, dass Schulabgänger einen Beruf erlernen, mit dem sie später mobil sind», betont Thomas Giessler, beim DGB für Berufspolitik zuständig. Gerade die in diesem Jahr erstmals angebotene Ausbildung zum Speiseeishersteller löst bei ihm Unverständnis aus. «Das ist größter Quatsch. So etwas kann man als Zusatzqualifikation etwa beim Konditorberuf anbieten», findet er. «Wir wollen dynamische Kernberufe, kein Berufe-Basteln.» Er kritisiert nicht nur möglicherweise als neue Ausbildung getarnte Nischenberufe. Auch das Angebot von bloß zweijährigen Ausbildungsgängen ist ihm ein Dorn im Auge. «Ich unterstelle denjenigen, die so etwas anbieten, dass sie ein zusätzliches Auswahlkriterium haben wollen», sagt der Gewerkschafter. Zwar werde häufig betont, jeder, der die zweijährige Ausbildung beende, könne auch noch ein Jahr dranhängen, ein Rechtsanspruch bestehe aber nicht.
Doch in diesem Jahr sind nach seiner Ansicht auch sinnvolle neue Berufe dabei - zum Beispiel der Produktionstechnologe, der im Entwicklungsbereich eines Unternehmens zum Einsatz kommt und die Stabilität der Prozesse und die Qualität der Produkte überwacht. «Das ist wirklich etwas Neues», sagt Giessler. Schulabgänger können sich darüber hinaus ab 1. August noch zum Fotomedienfachmann/-frau, zum Personaldienstleistungskaufmann/-frau sowie zur Servicekraft für Schutz und Sicherheit ausbilden lassen - sowie zur Fachkraft für Automatenservice, der Zwei-Jahres-Variante des Automatenfachmanns. Darüber hinaus wurden zum neuen Ausbildungsjahr unter anderem die Ausbildungsordnungen für Friseure und Seiler überarbeitet. Letztere stellen Netze und Seile sowohl in traditioneller Fertigung als auch mit modernster Technik her, die sehr hohen Sicherheitsstandards (etwa in der Luft- und Raumfahrttechnik) genügen müssen.
Ehe aber eine Tätigkeit zu einem der bislang rund 340 staatlich anerkannten Ausbildungsberufe wird, kann viel Zeit ins Land gehen. Denn schließlich müssen alle Seiten gehört, Expertisen formuliert und schließlich Lehrpläne aufgestellt werden. Aktuelle Ausbildungszahlen für die neuen Berufe 2008 liegen nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) frühestens im September vor.
Über den Erfolg eines neuen Ausbildungsberufs lässt sich ohnehin erst viel später etwas sagen, wie Hella Lüth vom DIHK zu bedenken gibt. Probleme gibt es immer dann, wenn sich zu wenige Schulabgänger in einer Region für einen bestimmten Beruf entscheiden, so dass die Organisation des Berufsschulunterrichts schwierig wird. «Aber ein richtiger Flop war in der letzten Zeit bei den neuen Ausbildungen nicht dabei», sagt Lüth. (Daniel Rademacher, AP)