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Etikette-Schule in Dresden: 

Ohne Knigge kann man die Karriere knicken

16. Jul 2008 11:00
Etikette-Training: Imke Zoitke und ein Schüler
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Für den Erfolg im Beruf ist nicht nur Fachwissen wichtig, sondern auch die so genannten weichen Faktoren. Immer wichtiger wird gutes Benehmen: Wer etwa stellt wen vor, wenn einem beim Kundenbesuch der Chef über den Weg läuft?

In wenigen Sekunden entscheidet sich, ob andere einen sympathisch finden. Häufig ist es der erste Eindruck, der zählt und der sich später nur schwer revidieren lässt. Immer mehr Unternehmen schicken deswegen ihre Nachwuchs-Führungskräfte zu Stilberatern oder Rhetorikexperten.

So gibt es in Dresden eine «Etikette-Schule», die sich darauf spezialisiert hat, den Schülern Manieren beizubringen und zu einem souveränen Auftritt zu verhelfen. Das Geschäft mit dem guten Benehmen floriert. «Das Interesse an den Benimm-Kursen ist groß», sagt Alexander Höfer, der die kleine Schule in einem feinen Dresdner Barockviertel nahe der Elbe leitet. «Die Seminare laufen sehr, sehr gut.»

Techniker für den Small Talk schulen

Zur Kundschaft gehören nicht nur gestandene Manager, Vertriebsleute oder Banker. Auch immer mehr Techniker lassen sich in den Knigge-Kursen sehen. Damit hatte vor ein paar Jahren auch alles begonnen: Der ausgebildete Psychologe und Personaltrainer bekam damals etliche Anfragen von Chefs junger Technologie-Firmen.

Die jungen Unternehmen berichteten stolz von ihren brillanten Ingenieuren, beklagten im selben Atemzug aber «gewisse Defizite». Mancher patzte demnach schon bei der Begrüßung, andere wirkten beim Geschäftsessen unsicher und steif oder brachten beim Small Talk kaum ein Wort heraus. Damit die lockerer werden, ohne sich zu blamieren, bezahlen Arbeitgeber für einen eintägigen «Business-Knigge»-Kurs inzwischen rund 400 Euro.

Nachfrage in Dresden dank Mikroelektronik

Vor einem dreiviertel Jahr gründete Höfer gemeinsam mit einer Sprechwissenschaftlerin die Etikette-Schule. Dresden wurde dabei nicht von ungefähr als Sitz ausgewählt. Denn die sächsische Metropole zählt inzwischen zu den wichtigsten Standorten der Mikroelektronik in Europa.

Im Schatten der großen Chipfabriken siedelten sich viele kleine High-Tech-Firmen an. Die haben oft keine Vertriebsleute und schicken ihre Techniker los, um potenzielle Kunden und Geldgeber zu bezirzen. «Da ist es hilfreich, wenn die Ingenieure nicht nur fachlich glänzen, sondern auch sicher auftreten», meint Höfer. Ein souveräner Auftritt sei in jedem Fall ein Wettbewerbsvorteil.

Lernen in Rollenspielen

Gelehrt wird an der Etikette-Schule vieles in Rollenspielen. Es geht um Situationen, wie sie immer wieder vorkommen können. Wie kommt man bei einem Bankett mit anderen ins Gespräch? Wie grüßt man einen Kunden oder den Vorgesetzten bei einem zufälligen Treffen in der Oper?

Was ist, wenn man mit einem Kunden auf dem Firmenflur seinem eigenen Chef begegnet? Wer stellt wen vor? Grundsätzlich gilt zwar, dass der Ranghöhere einen Informationsvorsprung erhält. In dem Fall sei aber der Gast König, erläutert Höfer. «Der Geschäftsführer wird also dem Kunden vorgestellt und nicht umgekehrt.»

Kartoffeln dürfen mit dem Messer zerteilt werden

Auch um die eigene Wirkung der Sprache und Körpersprache geht es in den Seminaren, um passende Kleidung und ordentliche Tischmanieren. Denn auch die verändern sich mit der Zeit. Während es früher verpönt war, Kartoffeln mit dem Messer zu zerteilen, geht das inzwischen dem Knigge-Experten zufolge in Ordnung. Schließlich laufen die Messer heute nicht mehr an. Auch dürfen Paare an der Tafel mittlerweile nebeneinander sitzen, während sie früher vom Gastgeber strikt getrennt wurden.

Höfer beobachtet seit einiger Zeit eine Rückbesinnung auf solche Dinge wie Korrektheit, Höflichkeit und stilvolles Benehmen. Auch viele Jugendliche wollen wissen, wie man Fettnäpfchen elegant umgeht. «Die sind ganz offen und haben gar kein Problem mit Anstandsregeln», sagt der Personaltrainer.

Azubi-Knigge für die ganz Jungen

Im Azubi-Knigge-Kurs geht es um Grundlegendes: Wie tritt man souverän und respektvoll auf? Wer gibt zuerst die Hand? Die 19-jährige Auszubildende Juliane Jeschke hat einen solchen Lehrgang besucht – und nach eigenen Angaben jede Menge gelernt. So wusste sie bislang nicht, dass im Geschäftsleben eine Frau in bestimmten Fällen einem ranghöheren Mann in den Mantel helfen oder die Tür aufhalten sollte. «Mir ist wichtig, dass ich von Höflichkeit eine Ahnung habe und mich da sicher fühle», sagt die angehende Veranstaltungsmanagerin. «Das ist sicher auch beim Einstieg in den Beruf nicht hinderlich.» (Lars Rischke, AP)

 
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