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Studie des Gewerkschaftsbunds: 

Über die Hälfte der Deutschen arbeitet prekär

26. Jun 2008 14:56
Bäcker und Bauarbeiter sind besonders unzufrieden mit ihrer Arbeit
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Für die Mehrheit der Arbeitnehmer ist es inzwischen normal, ihr Geld in einem prekären Arbeitsverhältnis zu verdienen. Das zeigt der DGB-Index «Gute Arbeit». Aber es gibt auch positive Ergebnisse.

Fast jeder dritte Beschäftigte ist mit seinen Arbeitsbedingungen extrem unzufrieden. Und nur 13 Prozent beschreiben ihren Arbeitsplatz als rundum positiv. Das geht aus dem am Donnerstag in Berlin veröffentlichtem DGB-Index «Gute Arbeit» hervor. Etwa die Hälfte der Arbeitnehmer (55 Prozent) bewerteten ihre Arbeitsbedingungen als durchschnittlich.

Unter besonders schlechten Bedingungen müssen vor allem Leiharbeiter arbeiten. Im Vergleich zum Jahr 2007, als der jährlich erscheinende Index erstmals präsentiert wurde, hat sich nach Einschätzung der Beschäftigten die Arbeitsqualität im Durchschnitt allerdings leicht verbessert. Der Anteil guter und mittelmäßiger Arbeit habe sich um jeweils einen Prozentpunkt erhöht, der Anteil schlechter Arbeit sei um zwei Prozentpunkte auf 32 Prozent gesunken, sagte der DGB-Vorsitzende Michael Sommer.

Anstieg der Arbeitsqualität kommt nicht bei allen an

«Längst nicht alle Beschäftigten spüren diesen leichten Anstieg der Arbeitsqualität. 41 Prozent der prekär Beschäftigten haben schlechte Arbeit», sagte Sommer. «Prekär» sei definiert als «befristete Vollzeitstelle und/oder in Zeitarbeit beschäftigt mit einem maximalen Brutto-Monatslohn von 2000 Euro». Lediglich 47 Prozent der Beschäftigten arbeiteten in einem «nicht prekären Arbeitsverhältnis», sagte Sommer.

Der DGB-Index beruht auf den Aussagen von rund 6800 Befragten aller Regionen, Einkommensgruppen, Branchen, Betriebsgrößen und Arbeitsverhältnisse und ist damit repräsentativ für die Meinung der Beschäftigten in Deutschland. 15 Kategorien, von Qualifizierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten bis Einkommen, fließen in den Index ein.

Insgesamt zeigt sich laut DGB jedoch, dass es den meisten Beschäftigten an Einfluss-, Qualifizierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten mangelt. Der berufliche Alltag sei geprägt von Arbeits- und Zeitdruck, körperlich einseitiger oder schwerer Arbeit, sowie emotionalen Belastungen. Außerdem fehle vielen Befragten ein Mindestmaß an beruflicher Zukunftssicherheit und ein ausreichendes Einkommen.

«Klare Botschaft an Arbeitgeber»

Besonders schlecht beurteilen die Beschäftigten in Bauberufen ihre Arbeit (4 Prozent gut, 41 Prozent schlecht). Auch Bäcker, Fleischer und Köche sind überdurchschnittlich unzufrieden (10 Prozent gut, 48 Prozent schlecht). In den Verkehrsberufen sprechen nur sechs Prozent von guten, aber 49 Prozent von schlechten Bedingungen.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Franz-Josef Möllenberg, wertete die Ergebnisse als «klare Botschaft an alle Arbeitgeber, für die Niedriglöhne und Leiharbeit Teil der Strategie sind». Das motiviere die Gewerkschaften, an der Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn festzuhalten.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Ulrich Thöne, kritisierte die Landesregierungen, die Berufseinsteigern zunehmend nur Fristverträge anböten. «Damit schaffen sie einen Arbeitsmarkt, der sich prekären Beschäftigungsbedingungen annähert», sagte Thöne. (AP)

 
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