25.06.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Arme sterben früher
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die soziale Kluft macht sich nicht nur im Geldbeutel und im Kühlschrank bemerkbar, sondern auch in den zu erwartenden Lebensjahren. Eine Studie wies den Zusammenhang nach: kein Job - früherer Tod.
Besserverdiener in Deutschland leben bis zu fünf Jahre länger als Männer mit niedrigem Einkommen. Die höchste Lebenserwartung haben Beamte im höheren Dienst. Das ergab eine am Dienstag in Düsseldorf veröffentlichte Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Die soziale Kluft bei der Lebenserwartung habe sich damit nicht verringert, obwohl die Lebenserwartung insgesamt gestiegen sei, teilte das WSI mit.
«Künftig dürfte sie durch hohe Arbeitslosigkeit und Einschränkungen bei der gesetzlichen Alterssicherung sowie im Gesundheitswesen sogar eher größer werden», stellten die Forscher fest. Bislang gebe es in Deutschland jedoch «keine umfassende politische Strategie, um dem Problem zu begegnen, dass Menschen in schlechteren sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen im Verhältnis früher sterben».
Chronische Arbeitsplatzsorgen machen krankPensionierte Beamte leben durchschnittlich zwei Jahre länger als Rentner. 65-jährige Rentner leben im Durchschnitt weitere 15,8 Jahre - Wohlhabende im Schnitt weitere 17,5 Jahre, schlechter Gestellte 14,6 Jahre. Pensionäre haben mit 65 eine durchschnittliche Lebenserwartung von 17,8 Jahren. Sie variiert zwischen 15,8 Jahren bei pensionierten Beamten im einfachen Dienst und 19,6 Jahren bei Beamten des höheren Dienstes.
Die Forscher führen die soziale Ungleichheit bei der Lebenserwartung, die auch in anderen Ländern beobachtet wird, auf verschiedene Ursachen zurück. So arbeiteten Beschäftigte mit höherem Einkommen eher in Berufen mit geringerer körperlicher Belastung und hätten seltener mit existenziellen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Grundsätzlich wirke sich ein planbarer Lebensverlauf ohne chronische Sorgen um Arbeitsplatz und die nächste Miete gesundheitsförderlich aus, stellten die Wissenschaftler fest.
Beispielsweise setzten sich Menschen, «deren Lebensstandard dauerhaft gesichert ist, eher mit einer gesunden Lebensführung auseinander und nutzen Weiter- und Bildungsangebote stärker als Personen, deren vordringlichstes Problem etwa drohende Arbeitslosigkeit oder die Zahlung der nächsten Miete ist», schreiben die Wissenschaftler.
Bessere GesundheitsversorgungGleichzeitig hätten Besserverdienende eher das Geld für zusätzliche Gesundheits- und Altersvorsorge. Darüber hinaus sehen die Wissenschaftler aber noch zwei weitere Faktoren: Die bei Beamten wie Pensionären verbreitete private Krankenversicherung verbessere die medizinische Versorgung. Auf der anderen Seite beeinflusse auch die obligatorische Gesundheitsprüfung vor der Übernahme ins Beamtenverhältnis die statistische Lebenserwartung: So gelangen von vornherein nur tendenziell gesündere Bewerber in den Staatsdienst.
Für die Untersuchung waren anonymisierte Datensätze von 5,2 Millionen männlichen Rentnern ausgewertet worden. Rentnerinnen wurden wegen der kürzeren Erwerbsbiografien nicht berücksichtigt. Auf so breiter Datenbasis sei die Lebenserwartung der deutschen Ruheständler erstmals erforscht worden, teilte das WSI mit. An der Untersuchung beteiligt waren Wissenschaftler des Forschungsdatenzentrums der Rentenversicherung in Berlin und des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels. (dpa/nz)