Beschäftigung: 

netzeitung.de«Nicht mehr nur Generation PowerPoint»

 Herausgeber: netzeitung.de

Fachmann mit Azubi (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Fachmann mit Azubi
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Erfahrung zählt mehr als Jugend: Das Ingenieurbüro Fahrion setzt bewusst auf ältere Mitarbeiter. Doch die Diskussion um die Altersteilzeit könnte seiner Personalpolitik zuwiderlaufen. Und der Arbeitsmarkt bietet zuwenig Fachleute.

Erfahrung zählt hier mehr als Jugend: Der 66 Jahre alte Rolf Laun hat als Maschinenbauer schon viele Fabriken in der Welt gesehen, doch ans Aufhören denkt er noch nicht. Seit zwölf Jahren arbeitet er bei der Firma Fahrion Engineering in Kornwestheim bei Stuttgart und plant Fabriken und Produktionsanlagen. Laun ist einer von mehreren älteren Mitarbeitern, auf die Inhaber und Firmengründer Otmar Fahrion setzt. «Wir schauen heute nicht mehr auf das Alter, wenn es um eine Einstellung geht», erklärt der 68-Jährige. Feste Regeln für den Wechsel in die Rente gibt es bei dem Unternehmen mit knapp 100 Beschäftigten nicht. «Jeder hat einen individuellen Zenit», sagt Fahrion. Er ist im Jahr 2000 auf die Idee gekommen, verstärkt und gezielt auf ältere Mitarbeiter zu setzen.

Damals seien ihm mehrere Leute abgeworben worden, erinnert er sich. Auf eine entsprechende Anzeige habe es eine Lawine von Bewerbungen gegeben. «Wir brauchen Leute, die mit Geschäftsführern, Vorständen und Betriebsleitern auf gleicher Augenhöhe sprechen.» Da könne man keine Schulabgänger schicken. Man brauche rund 15 Jahre, bis man eine Fabrik selbst planen kann, berichtet Fahrion. Dadurch komme man schon in ein Alter, bei dem man gut in den 40ern stehe. Alle suchten solche Personen, sagt der Firmengründer mit Verweis auf den Ingenieurmangel. Eingestellt würden vor allem jüngere Beschäftigte. Fahrion setzt hingegen auf das Potenzial der Älteren. So auch auf die Erfahrung des 59-jährigen Diplom-Physikers Helmut Grollmuss, dessen voriger Arbeitgeber den Standort aufgegeben hatte.

Für Fahrion bedeutet die Generation 50-Plus auch mehr Planungssicherheit. Der Grund liegt auf der Hand: Die Fachleute setzen nicht nach wenigen Jahren zum nächsten Karriereschritt an. Sie haben schon davor entsprechende Stufen auf der Karriereleiter erklommen. Der Firmengründer sieht die aktuelle Diskussion um die Altersteilzeit und die Rente mit 67 sehr kritisch. Frühverrentung gehöre abgeschafft, fordert er. Im September 2007 zählte die Bundesagentur für Arbeit 2,4 Millionen sozialversicherungspflichtigte Beschäftigte in der Altersgruppe 55 bis unter 60 Jahren.

Diese Altersgruppe nahm in den vergangenen Jahren zu. Eine Sprecherin der Bundesagentur verweist unter anderem darauf, dass mehr Beschäftigte aufgrund des demografischen Wandels in diese Altersgruppe hinein wachsen. Und auch die gute Konjunktur wirke sich aus. Auch Laun hat bei seinen Gesprächen mit den Kunden festgestellt: Es würden wieder mehr ältere Mitarbeiter eingestellt. «Es ist nicht mehr nur die Generation PowerPoint gefragt», sagt er. (Oliver Schmale, AP)