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Diskussion um Altersteilzeit: 

Metaller fürchten um ihr Geld

16. Jun 2008 12:41
Metaller-Warnstreik (Archivbild)
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Im Konflikt um eine neue Altersteilzeitregelung in der Metallindustrie drückt die IG Metall aufs Tempo. Denn verzögert sich eine Lösung, droht den Beschäftigten konkreter Schaden. Die Arbeitgeber haben jedoch ein ganz anderes Problem. Mit Audio

Die Gewerkschaft ruft kurz vor der fünften Verhandlungsrunde an diesem Mittwoch in Sindelfingen (Kreis Böblingen) erneut ihre Kampftruppen zum Protest gegen eine «Blockade» der Gespräche durch die Arbeitgeber auf. Aus Expertensicht hat die Gewerkschaft ein vitales Interesse, ein Ergebnis am Verhandlungstisch zu erzielen und damit eine Vermischung der Altersteilzeit mit der Einkommensfrage zu vermeiden.

Ursprünglich hatten IG Metall und Südwestmetall im Pilotbezirk Baden- Württemberg vereinbart, noch in diesem Juni einen richtungsweisenden neuen Tarifvertrag für die Branche mit 3,4 Millionen Beschäftigten zu schmieden. Jetzt ist daraus «vor der Sommerpause» geworden. Im September startet bereits die Entgelttarifrunde.

«In der IG Metall gibt es starke Kräfte, die fürchten, eine zeitlich an die Entgeltrunde heranreichende Lösung könnte auf Kosten der angestrebten Lohnerhöhung gehen», meint der Tübinger Industriesoziologe Reinhard Bahnmüller. Dies wäre der Mitgliedschaft schwer zu vermitteln, deren Hunger nach mehr Einkommen auch nach dem relativ hohen letzten Abschluss noch nicht gestillt sei. Zudem sei die Gefahr groß, mit einem Streik schon vor der Gehaltsrunde sein Pulver zu verschießen und die Streikkasse vorzeitig zu plündern.

«Schnellschüsse» vermeiden

IG Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann droht den Arbeitgebern mit Dauerprotesten, falls die neue Altersteilzeit bis September nicht in trockenen Tüchern ist. «Wir kämen ja vor der Entgeltrunde gar nicht mehr in die Friedenspflicht.» Das habe natürlich «Auswirkungen auf die kalkulierbare Produktionsfähigkeit» der Betriebe, warnt er.

Die Arbeitgeber scheinen dagegen nicht auf Tempo zu setzen. Südwestmetallchef Stefan Roell will «Schnellschüsse» vermeiden. Er scheue sich nicht, das Thema auch nach der Sommerpause weiter zu verhandeln, und verweist auf die Verantwortung seines Verbandes: «Wir müssen nicht nur Tarifverhandlungen führen, sondern auch Betriebe.» Und für die sei es wichtig, angesichts schrumpfender Schulabgängerzahlen ältere Arbeitnehmer zu halten.

Stefan Roell, Verhandlungsführer des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall, im ZDF:

Die IG Metall verweist darauf, dass die Arbeitnehmer unter den zunehmend belastenden Arbeitsbedingungen leiden und deshalb akzeptable Ausstiegs-Möglichkeiten brauchen. Bahnmüller bestätigt, dass Anfang der 90er Jahre eingeführte entlastende Arbeitsformen der Vergangenheit angehören und die Taktzeiten verkürzt werden. «Die Gesundheitsprobleme wie Burn-Out, Kopfschmerzen, Stress sind größer geworden.» Roell verweist dagegen auf Milliardeninvestitionen in Maßnahmen gegen Schmutz- und Lärm-Belastung.

Die IG Metall kann sich auch beim Thema Altersteilzeit auf ihre Mannen verlassen. Die Warnstreiks im Südwesten mit mehr als 100.000 Teilnehmern haben deutlich gemacht, dass den Beschäftigten das Thema auf den Nägeln brennt. Und zwar nicht nur den älteren Metallern, sondern auch den jungen: 1000 junge Demonstranten trugen vor der vierten Verhandlungsrunde Spruchbänder mit Sprüchen wie: «Die Jungen wollen alle rein, die Alten wollen alle heim.» Die Hälfte aller Altersteilzeitfälle wird derzeit - die Regelung gilt bis Ende 2009 - staatlich gefördert, weil für den ausscheidenden älteren Kollegen ein Arbeitsloser oder ein Auszubildender eingestellt wird. Die IG Metall betont, welch ein Kampf es immer noch sei, die Firmen zur Übernahme von Lehrlingen zu bewegen.

Die arbeitsmarktpolitische Analyse der Tarifpartner geht in diesem Punkt diametral auseinander. «Die Welt hat sich verändert», lautet die Leitlinie der Arbeitgeber. Seit dem Abschluss des Altersteilzeittarifvertrages 1997 habe sich der Arbeitsmarkt radikal verändert. Damals hatte die Branche gerade innerhalb von vier Jahren eine Million Arbeitsplätze verloren; die Firmen benötigten ein Instrument, Mitarbeiter frühzeitig in den Ruhestand zu schicken. Heute sei das ganz anders: In etwa 13 Prozent der Firmen werde die Produktion durch Arbeitskräftemangel behindert. Einige Unternehmen auf dem Land suchten händeringend nach Auszubildenden. Die Arbeitgeber versichern: «Wir brauchen die Alten und die Jungen.» (Julia Giertz, dpa)

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