Ausbildungsmisere:
Die Jugendwerkstatt als Chance
23. Jun 2008 07:01
 |  Ausbildung in einer Lehrwerkstatt
| Foto: AP |
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Die Säge surrt, das Schleifpapier kratzt - Jugendliche ohne Ausbildungsplatz arbeiten in einer Jugendwerkstatt an Vasen aus Holz. Einrichtungen wie diese können eine Ausbildung jedoch nicht voll ersetzen.
«Früher habe ich immer gedacht, dass Arbeit unnütz ist», erzählt der 16-Jährige Tobias, während er an einem Holzstück feilt, «aber jetzt macht mir das Spaß.» Er ist einer von 16 Jugendlichen, die in der Jugendwerkstatt der Caritas in Hamm neue Hoffnung schöpfen sollen.
Die jungen Leute sind entweder ohne Abschluss von der Schule gegangen oder sie haben «nur» einen Hauptschulabschluss erreicht. Damit sind ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt dürftig. Nur etwa jeder vierte Hauptschüler bekommt einen Ausbildungsplatz.Im Jahr 2007 haben nach Angaben der Caritas fast acht Prozent eines Jahrgangs die Schule ohne Hauptschulabschluss verlassen, von den ausländischen Jugendlichen 17,5 Prozent. Fast 980.000 junge Menschen unter 25 Jahren lebten von Hartz IV, knapp 340.000 seien als Arbeitslose registriert. Diese jungen Menschen erlebten schon früh, dass sie nicht gebraucht würden, beklagt Caritas-Präsident Peter Neher. Deutschland könne und dürfe es sich nicht leisten, diesen Jugendlichen keine Perspektive zu eröffnen.
Über sich selbst lernen
274.000 Jugendliche in Deutschland haben im vergangenen Monat keinen Ausbildungsplatz gefunden. Sie sollen in Einrichtungen wie der Caritas-Werkstatt in Hamm lernen, sich auf das Berufsleben vorzubereiten. «Wir wollen hier feststellen, welche Fähigkeiten die Jugendlichen haben», erläutert Arbeitspädagoge Klaus Netzkau.Dabei erfahren die Jungen und Mädchen eine Menge über sich selbst. Tobias ist mittlerweile davon überzeugt, dass seine Stärken im Arbeiten mit Holz liegen. Deshalb macht er zurzeit ein Praktikum in einem Baumarkt. «Was ich in der Werkstatt gelernt habe, hilft mir in dem Betrieb sehr.»
Durch das Rost fallen
Ein betriebliches Praktikum ist wichtig, damit sich ein «Klebeeffekt» einstellen kann, wie es Norbert Wichmann vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) formuliert: «Das wirkt auf die Jugendlichen motivierend, denn sie bekommen das Gefühl, sie können etwas und werden gebraucht.» Dennoch können die Jugendwerkstätten der Wohlfahrtsverbände nicht an die Stelle von regulären Ausbildungsbetrieben treten, betont Wichmann.«Man muss den Jugendlichen danach ein Angebot machen können, vielleicht auch eine außerbetriebliche Ausbildung», findet der Gewerkschafter. Schließlich fallen trotz anhaltender Konjunktur schulisch schwächere Jugendliche immer noch durch das Rost. «Da brauchen wir Angebote der öffentlichen Hand, um die jungen Leute mit wirklicher Ausbildung zu versorgen», fordert Wichmann. (Heiko Ostendorf, epd)