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Film der Woche: 

Wenn verwöhnte Kinder Krieg spielen

10. Apr 2008 14:11
Matthias Schweighöfer über den Wolken
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Manfred von Richthofen, «Der Rote Baron» genannt, wurde im Ersten Weltkrieg als Flieger-Ass gefeiert. Julia Wilczok bedauert, dass Regisseur Nikolai Müllerschön das Helden-Image des Kampfpiloten kein bisschen infrage stellt.

Ein blonder Lausbub spielt mit seinen Brüdern im Wald, als die Jungen plötzlich von Motorengeräuschen am Himmel abgelenkt werden. Auf ihren Pferden reiten sie den Propellermaschinen hinterher, und es wird klar: Schon als kleiner Junge träumte Manfred von Richthofen (1892-1918) davon, einmal ein großer Flieger zu werden. Das ist ihm auch gelungen. Kein anderer Kampfpilot konnte im Ersten Weltkrieg mehr Abschüsse verbuchen als der Baron, der 80 gegnerische Maschinen vom Himmel holte.

Für Aufsehen sorgte das Flieger-Ass jedoch vor allem, weil er seine Fokker DR-I Dreidecker in leuchtendem Rot anmalen ließ, was ihm den Spitznamen «Der Rote Baron» einbrachte. Für diesen Einfall hagelte es Schelte von den Vorgesetzten, doch dem furchtlosen Freiherrn aus Breslau machte es nichts aus, als leuchtende Zielscheibe durch die Lüfte zu fliegen. «Ich will, dass sie Angst vor mir haben», sagt von Richthofen alias Matthias Schweighöfer im Film. Elitäre Überheblicheit und sportlicher Ehrgeiz sind die Triebwerke des Barons.

Käte (Lena Headey) ist im Film die einzige, die das grausame Kriegstreiben wirklich in Frage stellt. Die vorlaute Krankenschwester zeigt ihm, dass es an der Zeit ist, erwachsen zu werden und den Gäueltaten des Krieges ins Augen zu blicken. Sie zeigt dem Baron nicht nur das Elend in den Lazaretten, sondern macht ihm außerdem klar, dass er für die Militärregierung nicht viel mehr ist als eine Marionette, die zu Propagandazwecken missbraucht wird. Die Triumphe des «Ritters der Lüfte» sollten nämlich vom mörderischen Gemetzel am Boden ablenken.

Als Käte von Richthofens unermüdlichen Annäherungsversuchen endlich nachgibt, ist es fast schon zu spät, denn der tragische Held wird zum Opfer der äußeren Umstände: Im April 1918 wurde er von einem britisch-kanadischen Piloten («Luther»-Star Joseph Fiennes in einer Minirolle) über feindlichem Gebiet abgeschossen.

Von Richthofen, ein Nationalheld?

Durch seinen frühen Tod im Alter von 25 Jahren ist der Baron zur Legende geworden. Ein heikles Thema, da Deutschland sich aufgrund seiner Geschichte verständlicherweise schwer mit damit tut, von Richthofen als Nationalhelden zu feiern, der nicht nur im eigenen Land sondern auch in den gegnerischen Reihen Anerkennung fand. Sein Image als Überheld des Ersten Weltkrieges stellt Regisseur Nikolai Müllerschön jedoch auch nicht in Frage. Dass der junge Mann eben nicht nur ein Held, sondern auch ein Massenmörder war, wird lieber verschwiegen. Vielmehr wird von Richthofen als Mann dargestellt, dem es nicht in erster Linie darum ging, den Feind zu besiegen, sondern für den der sportliche Aspekt an oberster Stelle stand. So verwundert es nicht, dass er sich in einer Szene mit jenem gegnerischen Piloten anfreundet, der ihm später den Tod bringen wird.

Müllerschön, der die kostspielige Produktion übrigens mit Hilfe privater Gelder finanzieren musste, drehte auf Englisch und mit internationaler Besetzung. Newcomerin Lena Headey («Die Gebrüder Grimm») und Matthias Schweighöfer, halb Lausbub, halb Aristokrat, können mit ihrem Spiel überzeugen, ebenso Maxim Mehmet in der Rolle des jüdischen Leutnants Sternberg und Volker Bruch als von Richthofens überheblich versnobter Bruder Lothar. In einer Nebenrolle glänzt Axel Prahl als General von Hoeppner. Einzig Til Schweiger wirkt mit seiner Knödelstimme irgendwie fehl am Platz.

Ein Film im Stil eines amerikanischen Blockbusters

Die hauptsächlich im Prager Studio gedrehten Flugszenen wirken zum Teil unfreiwillig komisch, ebenso die künstlich überdrehte Farbwelt, die so typisch ist für CGI-Produktionen: «Unser Film sieht nicht aus wie ein deutscher Film», stellt Protagonist Schweighöfer im Interview mit der Netzeitung fest. Richtig, denn hier sollte ein Film im Stil eines amerikanischen Blockbusters entstehen. Eigens für «Der Rote Baron» wurden 23 Flugzeugmodelle aus dem Ersten Weltkrieg nachgebaut, und trotzdem: Bei den computeranimierten Luftkämpfen wirken die Drei- und Doppeldecker in einigen Szenen wie Spielzeugflugzeuge, bei denen man nach den Fäden der Puppenspieler sucht.

Von Richthofen und seine Fliegerfreunde albern herum, als wäre der Krieg nur ein großer Abenteuerspielplatz. Ein Pluspunkt der aufgebauschten Liebesgeschichte ist die Figur der Käte, die mit ihrer antimilitaristischen Haltung den Krieg an sich in Frage stellt und so einen Kontrapart zu den Männern bildet, die sich in Kampfeswut und blinden Patriotismus verrannt haben. Sätze wie «Du bist mein größter Sieg», triefen dagegen leider nur so vor Pathos und erinnern an Hollywood-Kitsch-Dramen wie «Pearl Harbor».

Deutschland zählte zu den Verlierern des Ersten Weltrieges, Gentleman von Richthofen verleiht dem Ganzen in Müllerschöns verklärter Rückschau einen gewissen Glamour. Der unterdrückte Nationalstolz wird jedoch sogleich wieder unter einer Tonne Kitsch begraben, die dem «Roten Baron» das nimmt, was sonst den Charme vieler europäischer Filme ausmacht - die Darstellung der ungeschönten Realität, ohne Bonbonfarben und weichgespülte Dialoge.

«Der Rote Baron» - Trailer:

 
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