21.02.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Sieger oder Verlierer? Blu-ray-Disk und -Rekorder
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der langjährige Streit um das Datenträgerformat der Zukunft ist zu Ungunsten der HD DVD entschieden. Die Blu-ray-Disk hat gewonnen. Doch schon bald könnte es auch mit ihr vorbei sein, meint Maik Söhler .
Erinnert sich eigentlich noch jemand an Video 2000? Das war ein Ende der siebziger Jahre von Grundig und Philips entwickeltes Videosystem mit einer für jene Zeit riesigen Menge an Speicherplatz. Oder sagt jemandem der Begriff Betamax noch etwas? Noch so ein in den Siebzigern entwickeltes «Magnetbandsystem zur Aufzeichnung von analogen Video- und Audiosignalen» (Wikipedia), das heute jenseits der professionellen Filmer-Szene kaum noch bekannt sein dürfte.
Interessant an Betamax ist dieser Tage besonders, dass dieses Datenträgerformat von Sony entwickelt wurde - jener Firma also, die seit der Ankündigung Toshibas vom Anfang dieser Woche, das Geschäft mit der HD DVD zu beenden, zur siegreichen Blu-ray Group gehört. Sonys Betamax unterlag ebenso wie Grundigs und Philips' Video 2000 im Video-Formatkrieg der späten siebziger und frühen achtziger Jahre. Übrig blieben am Ende allein die VHS-Videorekorder und -Kassetten.
Enttäuschte HD DVD-KundenWer seinerzeit Video 2000- und Betamax-Geräte gekauft hat, dürfte heute gut nachvollziehen können, wie betrogen sich momentan die Käufer von HD DVD-Rekordern fühlen. Nie war die Rede davon, dass diese mehrere hundert Euro teuren Geräte nur kurze Zeit nach dem Kauf quasi wertlos werden, weil hochauflösende Filme bald nur noch auf Blu-ray-Disks erhältlich sind.
Jammern hilft nicht. Blu-ray hat den neuen Formatkrieg für sich entschieden. Ein Zurück hinter dieses Format wird es nicht mehr geben. Wer schlau ist, hebt seinen HD DVD-Rekorder trotzdem auf und bietet ihn in 20 Jahren Sammlern oder Technikmuseen an, die dafür vielleicht noch ein hübsches Sümmchen bezahlen.
Videorekorder - wie bitte?Entsprechend euphorisch gibt sich die Blu-ray Group inklusive Sony in diesen Tagen. Doch ein genauerer Blick auf den ersten Formatkrieg mahnt vor übermäßigem Jubel. Denn wer bitte braucht heute noch einen Videorekorder?
Was einst als Sieg für die Ewigkeit erschien, hatte noch nicht mal 15 Jahre Bestand. Kinder, die jetzt aufwachsen, wurden bisher von DVD- und werden, weil DVDs zu wenig Platz für hochauflösende Filme und Konsolenspiele bieten, fortan vielleicht von Blu-ray-Playern geprägt.
Von der Musikindustrie lernen?Vielleicht. Der schleichende Niedergang der Musikindustrie zeigt, dass es auch anders kommen kann. Er liegt zu großen Teilen in ihrer jahrelangen Fixierung auf den Datenträger CD begründet. Man nahm die Verschiebung im Konsumverhalten junger Menschen - der wichtigsten Kundschaft - erst zur Kenntnis, als sich daraus schon längst die Generation MP3 verfestigt hatte. Dabei war diese Entwicklung schon in den neunziger Jahren absehbar.
Warum sollte es der Filmindustrie und mit ihr den Geräte- und Speichermedienherstellern für Filme anders gehen? Die Zukunft von Filmen und Spielen könnte genauso im Netz liegen wie die Gegenwart der Musik. Das bedeutet nicht, dass der eine oder andere nicht abends mal seinen Blu-ray-Rekorder anwirft und es sich auf dem Sofa bequem macht. Es soll ja auch noch Schallplattensammler geben.
Bye, bye Blu-rayDoch eine größere Verbreitung von Video-on-demand im Netz ist nur eine Frage der Zeit, der noch schnelleren Breitbandverbindungen und der noch leistungsfähigeren Computer beziehungsweise Geräten, die Fernseher und Rechner in einem sind. Jüngst wurden die ersten Modelle dieser Art auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas angekündigt.
Damit würden Rekorder überflüssig, wer einen Film sehen will, saugt ihn sich aus dem Netz. Längst gibt es Video-on-demand im Internet, noch im kleinen Rahmen und ohne umfassendes Angebot, aber große Unternehmen wie Paramount und Apple stehen schon bereit, um diesen Rahmen zu erweitern.
Rasch also kann sich der Sieg Blu-rays in eine Niederlage verwandeln. Wie schnell genau, das hängt von vielen Faktoren ab. Einer davon ist, ob und wie sehr sich Film- und Geräteindustrie absprechen, um zugunsten des Blu-ray-Formats Pläne für große, funktionierende Video-on-Demand-Angebote zurückzustellen. Das ist nun, da die Fürsprecher der HD DVD nicht mehr stören können, um einiges leichter geworden.
Doch dem steht zum Glück das Netz entgegen - mit all seinen Freiheiten für User und Anbieter. Auch hier sind Absprachen möglich, erst recht aber ein bequemer Filmabruf von einer Vielzahl von Anbietern. Und gute Geschäfte.