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Film der Woche: 

Der Tod und das Mädchen

13. Nov 2008 16:11
Karoline Herfurth alias Lilli
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Die Eltern und Schwester Lilli drohen an Alexanders Selbstmord zu zerbrechen. Mit «Im Winter ein Jahr» ist Caroline Link ein schwermütiger, aber völlig unkitschiger Film über Trauerbewältigung gelungen, meint Julia Wilczok.

Beinahe ein Jahr ist seit dem Tod von Alexander vergangen. Eliane Richter (Corinna Harfouch), die Mutter des Vorzeige-Schülers, gibt bei dem verschrobenen Maler Max Hollander (Josef Bierbichler) ein Poträt von Alexander und seiner Schwester, der jungen Tänzerin Lilli (Karoline Herfurth), in Auftrag. Für den Einsiedler Max ist dies erstmal nichts Außergewöhnliches, da er schon oft Tote gemalt hat.

Zeitgleich mit dem Entstehungsprozess des Bildes scheint sich in den Köpfen von Alexanders Hinterbliebenen ein Schalter umzulegen. Als bräche alles Verdrängte mit einem Schlag an die Oberfläche - sowie die schmerzliche Erkenntnis darüber, wie wenig sie wirklich über den Einzelgänger wussten. Doch nicht nur die Eltern, auch Alexanders Schwester Lilli wird von den verdrängten Gefühlen überrollt. Sie fühlt sich von ihrem toten Bruder verfolgt, plagt sich mit Schuldgefühlen und Suizidgedanken und sucht ihren Kummer in einer heftigen Affäre mit dem attraktiven Künstler Aldo (Misel Maticevic) zu ersticken.

Man muss kein Psychologe sein, um zu verstehen, dass diese Art der Therapie nur schief gehen kann. Einzig Maler Max dringt hinter Lillis Schutzpanzer. Auch wenn sie ihm anfangs kräftig Kontra gibt, entwickelt sich zwischen den beiden mit der Zeit eine tiefe Verbundenheit, die Lilli hilft, mit der Trauer zu leben.

Ein Blick hinter die Fassade einer Vorzeige-Familie

Am Ende lässt auch Eliane (Harfouch) die Trauer zu
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Nach ihren Erfolgsfilmen «Jenseits der Stille» und «Nirgendwo in Afrika» beweist Caroline Link mit «Im Winter ein Jahr» erneut, dass der Regisseur-Beruf in Deutschland keine Männerdomäne bleiben muss. Völlig ohne Kitsch und Klischees schildert Link das Schicksal einer Familie, die am Tod des geliebten Sohnes und Bruders zu zerbrechen droht.

Langsam verschiebt sich das Bild der nach Außen hin perfekten Richters zu einer Familie, in der die Kinder das Gefühl bekommen, nicht ihrer selbst wegen geliebt zu werden, sondern Leistung bringen zu müssen. Unschöne Details wie die Affäre von Vater Thomas (Hanns Zischler) werden einfach überspielt. Zur Meisterin in der Wahrung der perfekten Fassade wird Mutter Eliane (Harfouch), indem sie den Selbstmord des Sohnes vor Maler Max als Jagdunfall verkauft.

Doch selbst Eliane kann nicht ewig die Starke spielen. Langsam lässt Caroline Link den Zuschauer hinter die Fassade der Vorzeige-Richters blicken. Bis die eingefahrenen Familien-Strukturen aufbrechen und die oberflächlich kühle Mutter sich eingesteht, ihre Trauer zuzulassen. Entscheidend für die Entwicklung der Handlung ist dabei das Spiel mit Kontrasten: Dynamik und Stille wechseln einander ab, kraftvolle Szenen und schiere Hilflosigkeit. Bestes Beispiel hierfür liefert eine Sequenz am Ende, in der Lilli ihren Schmerz heraustanzt, während Eliane weinend im Wald zu Boden sinkt.

Fast so etwas wie erotische Spannung

Auch das großartige Zusammenspiel der Charaktere wird durch ihre Gegensätzlichkeit beflügelt. Besonders trifft das auf Herfurths impulsiv Lolita-hafte Lilli und Bierbichlers verschlossenen Einsiedler Max zu, zwischen denen trotz des immensen Altersunterschieds zwischenzeitlich fast so etwas wie erotische Spannung entsteht. Nach dem ersten unsanften Aufeinanderprallen fassen die Ungleichen nach und nach Vertrauen zueinander, und schließlich muss selbst Max zugeben, dass sein Leben alles andere als rund läuft.

Die Zeit heilt alle Wunden, heißt es. Doch damit seelische Wunden heilen können, muss man zu allererst den Schmerz zulassen. Für Lilli bedeutet das, sich nicht mehr verfolgt zu fühlen, sondern Alexanders omnipräsentes Bild zu akzeptieren - wie einen Schutzengel.

«Im Winter ein Jahr» - Der Trailer:

 
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