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Informationsportal Zellux Bildschirmfoto: nz (Screenshot: nz<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Informationsportal Zellux Bildschirmfoto: nz
Screenshot: nz
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Antworten auf ethische Fragen um die Stammzellenforschung sind trotz der Entscheidung des Bundestages vor einem halben Jahr kaum leichter geworden. Daniel Kählert hat sich eine virtuelle Positionierungshilfe angeschaut.

Mal ehrlich, welche Meinung haben Sie zur Stammzellenforschung? Beginnt die Würde des Menschen mit einer befruchteten Eizelle oder ist ein Embryo, der im Anfangsstadium weder Nerven noch Gehirn hat, einfach nur ein Haufen Zellen? Was sagen Ihnen die Begriffe «Nichtschaden», «Forschungsfreiheit» oder «Verteilungsgerechtigkeit»? Warum ist ein Schwangerschaftsabbruch erlaubt, die Tötung von Embryonen in der Petrischale dagegen nicht?

Wenn Sie nun ein Schulterzucken bei sich beobachtet haben und Ihnen selbiges eher unangenehm war, kann es unter Umständen erhellend sein, mal beim Themenportal www.zellux.net vorbeizuschauen und den dort angebotenen «Ethiktest» zu machen.

Seit nun knapp einer Woche können sich auf der Internetseite vornehmlich Schüler und Lehrer eine Meinung zu ethischen Fragen der Stammzellforschung bilden. Auf der von Wissenschaft, Kirchen und Politik gestalteten Seite werden Grundbegriffe zur Stammzellenforschung und die gesetzlichen Rahmenbedingungen erklärt, sowie Positionen und Glaubensrichtlinien dargestellt. «Viele Menschen sind unkritisch, andere wiederum lehnen die Stammzellforschung kategorisch ab, ohne wirklich informiert zu sein. Vorurteile, Gleichgültigkeit oder Fehlinformationen bilden oft die Grundlage für Zustimmung oder Ablehnung», erläutert Projektleiter Tobias Cantz vom Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster.

Die Macher der Seite haben versucht, die Übervielfalt an Informationen in verschiednen Formaten verdaubarer zu machen: Neben Texten und Infografiken bietet die Seite auch Interviews in Form von Videoclips mit Stellungnahmen oder Redeauszügen verschiedenster Persönlichkeiten – vom EKD-Ratsvorsitzenden Bischof Huber bis zum Vizepräsidenten des Bundestages Wolfgang Thierse (SPD). Um sich in dem Informationswust nicht zu verlieren, ist es manchmal hilfreich, die Sitemap-Funktion zu benutzen.

Zellux.net ist Web 1.0 ohne Interaktionsmöglichkeiten – was in diesem Fall auch vollkommen ausreichend ist, soll die Interaktion doch in die Klassenzimmer und Jugendhäuser getragen werden. Denn im Zentrum des Angebotes stehen Unterrichtseinheiten, die für Einzelstunden bis hin zu mehreren Doppelstunden oder für drei Tage innerhalb einer Projektwoche konzipiert wurden. So gibt es ein Planspiel, in dem die Schüler als Enquete-Kommission des Bundestages eine Empfehlung für den zukünftigen Umgang mit der Stammzellforschung erarbeiten können.

In rollengespielten Talkshows bietet sich zum Beispiel die Möglichkeit die verschiedenen Argumentationsketten und Grundwerte kennenzulernen, die hinter den jeweiligen Positionen stehen. Zellux ist westenlich mehr als nur ein Informationsportal zur Stammzellenforschung – es ist eine idealtypische Anleitung zur politischen Meinungsbildung und nichts weniger als eine Anleitung zum kritischen Denken und Argumentieren.

Die Stammzellenfrage kann hier als Platzhalter für jedes andere kontroverse und überkomplexe Thema dieser Gesellschaft gesehen werden. Sei es das Kopftuch der Muslima, ein Grundeinkommen für alle oder die Frage nach sozialer Ungleichheit. Nicht die in den Medien oft in Schlagzeilen verpackte Vereinfachung sollte hier das Mittel der Wahl zur Förderung ethischer Urteilskompetenz sein, sondern die verdauliche Aufdröselung verschiedener Blickwinkel und eine attraktive Einladung zum Selbstdenken.

Was nützt es, wenn der Gesellschaft in Talkshows zugerufen wird, was sie denken soll, wenn die Einzelnen nicht mehr wissen, wie sie denken sollen. Internetportalen wie zellux.net helfen beim Denken. Vielleicht demnächst auch in interaktiver Form explizit für eine breiter Zielgruppe. Denn die Mehrheit der Mitglieder der Gesellschaft hat leider nicht mehr den Luxus des Refugiums Klassenzimmer als Diskussions- und Spielraum. Eine Ausweitung auf virtuelle Räume wäre da gut.