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Film der Woche: 

Ein Sensibelchen namens James Bond

30. Okt 2008 09:03
Bond (Daniel Craig) und Camille (Olga Kurylenko)
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Vergessen Sie James Bond, wie Sie ihn kannten. Daniel Craig bringt den Charakter des Geheimagenten in «Ein Quantum Trost» auf eine völlig neue Ebene. Gut, er hat im letzten Teil seine Freundin verloren – Julia Wilczok hat trotzdem langsam genug vom Trauer-Bond.

Die Briten lieben ihre Traditionen. Neben der Queen, Teatime und Cricket zählt mittlerweile auch James Bond fest zum britischen Kulturgut. Im Laufe der Jahre hat er viel mitgemacht, die Welt gesehen, unzählige Frauen geliebt und Widersacher vernichtet. Bond weiß immer, was zu tun ist. Er ist ein kontrollierter Lebemann, der seinen zahllosen Gespielinnen auch mal eine Backpfeife ziehen kann, ohne dass Frauenrechtlerinnen gleich auf die Barrikaden gehen. Mit der Zeit wurden jedoch nicht nur seine Waffen größer, seine Wagen moderner und seine Feinde pfiffiger, auch Bond selbst hat sich gewandelt.

Nach der Epoche der großen Gentlemen (Sean Connery und Roger Moore, Lazenby und Dalton mal ausgeblendet) wurde Bond erst zum schneidigen Charmeur (Pierce Brosnan) und schließlich zum knallharten Superagenten in Form von Daniel Craig transformiert. Wider allen Anfeindungen meisterte Bond Nummer sechs Craig sein Debüt als 007 in «Casino Royale» nicht nur mit Bravour, es gelang ihm darüber hinaus, dem Charakter aus der Feder von Ian Fleming eine ganz neue Note zu verpassen, ihn gar neu zu erfinden.

Bond im Kampf gegen seine eigenen Dämonen

Das 22. Bond-Abenteuer «Ein Quantum Trost» stieß eingefleischten Fans schon allein wegen des kryptischen Titels auf. Und auch der Titelsong von Jack White und Alicia Keys erntete wenig Gegenliebe. Querelen, für die gleich die ersten Filmminuten entschädigen. Schusswechsel, quietschende Reifen, Spannungsmomente und extra schnelle Schnitte - Regisseur Marc Foster inszenierte für die Anfangssequenz eine Verfolgungsjagd der Extra-Klasse. Was die Story angeht, setzt «Ein Quantum Trost» da an, wo «Casino Royale» aufgehört hat. Eine Premiere, da die vergangenen Bond-Streifen immer für sich abgeschlossene Filme waren. Wer «Casino Royale» nicht gesehen hat, für den dürfte es also reichlich schwer werden, sich in die Story einzufinden. Hier noch mal der Schnell-Rückblick: Am Ende von «Casino Royale» ließ Bonds Geliebte Vesper Lynd (gespielt von Eva Green) ihr Leben, die erste Frau, die dem Doppelnullagenten wirklich etwas bedeutet hat.

Und so geht's weiter: Bond ist immer noch verbittert und findet außerdem keinen Schlaf. Hat Vesper sich für ihn geopfert oder ihn gar verraten? Diese Frage quält ihn so sehr, dass der Kampf gegen seine realen Feinde im Vergleich zum Kampf gegen seine eigenen Dämonen ein Leichtes zu sein scheint. M16-Chefin M (Judi Dench) gefällt das gar nicht. Sie fürchtet, ihr Spitzenagent könne im Zuge einer Racheaktion etwas Unüberlegtes tun.

Hinter Vespers Ermordung soll die Undercover-Organisation Quantum stecken. Die Spur führt Bond nach Haiti, wo er auf den skrupellosen Geschäftsmann Dominic Greene (Mathieu Amalric) trifft, der just seine Ex-Geliebte Camille (Olga Kurylenko) loswerden will. Greene gibt sich als großer Öko-Unternehmer - in Wahrheit will der nach Macht und Profit Gierende sich jedoch lebensnotwendige Ressourcen unter den Nagel reißen. So versucht er auch, dem bolivianischen Ex-Diktator General Madrano ein wertlos erscheinendes Stück Wüste abzuschwatzen. Entgegen Ms Anordnung macht Bond sich auf, dem Schurken das Handwerk zu legen.

«Ein Quantum Trost» für 007-Fans

Craig hebt den Charakter 007s auf ein völlig neues Level. Sein Bond ist brutal und verletzlich zugleich, er zieht sein Ding konsequent durch, wird aber auch mal schwach. Ein eiskalter übermännlicher Egomane mit gekappter Achillessehne - siehe Vesper Lynds Tod. Wechselten Connery, Brosnan und Co die Bettgespielinnen wie die Designer-Krawatten, lässt Craig sich in «Ein Quantum Trost» auf der Leinwand nur für einen Sekundenbruchteil zu etwas Zärtlichkeit hinreißen. Der Brite gibt sich keine Mühe zu gefallen und wird genau dadurch sympathisch.

Foster hat einen Film von unglaublicher Schnelligkeit geschaffen, der sowohl durch seine technischen Raffinessen als auch seine Aktualität (schwindende Ressourcen!) glänzt. Ein wenig schade nur, dass der kürzeste Bond aller Zeiten (106 Minuten) im Mittelteil gehörige Längen aufweist. Der seltsame Titel stammt übrigens aus Ian Flemings Kurzgeschichte «Ein Minimum an Trost».

«Ein Quantum Trost» benötigt zu guter Letzt vor allem der geneigte 007-Fan. Zum einen, weil zum ersten Mal in der Geschichte der Kultsatz «Bond, James Bond» fehlt. Zum anderen mag ein trauernder Bond auf Rache-Mission nicht ganz zum Image des knallharten Agenten passen. Dafür haben wir schließlich schon Batman, der jüngst als «Dark Knight» den großen Rächer gegeben hat. Voller Spannung heißt es nun dem nächsten Bond entgegen zu fiebern, denn wie wird der weltbeste Geheimagent wohl seine Trauer überwinden? Vielleicht mittels Drogen oder auf der Therapeuten-Couch. Vielleicht aber auch mit einem ordentlichen Martini. Geschüttelt natürlich, denn ganz ohne Tradition kommt eine Traditionsfigur wie James Bond nicht aus.

«Ein Quantum Trost» - Der Trailer:


 
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