Film der Woche: 

netzeitung.deSchäferstündchen im LKW

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Die Begegnung mit Johnny stellt Mattys Welt auf den Kopf (Foto: PR<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die Begegnung mit Johnny stellt Mattys Welt auf den Kopf
Foto: PR
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Drei Kinder, ein öder Job und der untreue Ehemann: Mitvierzigerin Matty ist abgespannt und frustriert. Erst als der junge Trucker Johnny in ihr Leben tritt, wird alles anders. «Neulich in Belgien» überzeugt Julia Wilczok vor allem durch Realitätsnähe.

Ihr Leben macht Matty (Barbara Sarafin) unglaublich müde. Noch-Gatte Werner (Johan Heldenbergh), ein Kunst-Professor, hat sie im Zuge einer Midlife-Crisis für eine Studentin verlassen. Den Alltag zwischen ihrem eintönigen Job bei der Post und den drei Kindern muss sie nun allein bewältigen. Als sie eines Tages auf dem Supermarkt-Parkplatz mit ihrem Wagen einen LKW rammt, kann sie nicht mehr an sich halten. Völlig genervt geht sie auf Trucker Johnny (Jurgen Delnaet) los. Der ist deutlich jünger als sie und so beeindruckt von ihrem temperamentvollen Auftritt, dass es ihm gelingt, sie zu einem Treffen zu überreden.

Nach anfänglichem Sträuben, schließlich liebt Matty ihren untreuen Mann noch immer, gibt sie sich einer leidenschaftlichen Affäre mit Johnny hin. Plötzlich ist die spröde, abgearbeitete Frau wieder aufgeregt wie ein Teenager. Wie Matty jedoch bald feststellen muss, hat Johnny eine dunkle Vergangenheit. Sogar im Gefängnis war er schon. Als auch noch der abtrünnige Werner wieder an ihre Tür klopft, ist das Gefühlschaos perfekt. Doch damit nicht genug: Die Stimmung rutscht beinahe ins Absurde, als Mattys älteste Tochter ihre «erste große Liebe» mit nach Hause bringt.

Welten prallen aufeinander, als der «intellektuelle» Werner und der «schlichte» Johnny aufeinander treffen und sich gegenseitig beleidigen wie pubertäre Schuljungen. Lange hadert Matty mit sich, ob sie die schöne Zeit mit Werner zu Gunsten einer aufregenden Zukunft mit dem 29 Jahre jungen Trucker zu den Akten legen soll. Barbara Sarafin («8 ½ Women») gelingt es meisterhaft, die Zerissenheit einer 41-jährigen Frau darzustellen, die sich zwischen ihrem alten und neuen Leben entscheiden muss.

Blutwurst bis zum Abwinken
Es ist nie zu spät für einen Neuanfang, will dieser Film sagen. «Neulich in Belgien» rückt den ganz banalen Familienalltag in den Mittelpunkt und ist oft erstaunlich realistisch. Es sind die kleinen Details, die den Charme des Films ausmachen. Man muss einfach schmuzeln, wenn Matty zum wiederholten Male innerhalb einer Woche Blutwurst kocht. «Schon wieder?», nölen die Kinder. Eine Szene, die sich jeden Tag in Millionen von Haushalten überall auf der Welt ähnlich abspielt. Oder wenn sie nach einem Schäferstündchen in Johnnys LKW ganz unromantisch danach verlangt, nach Hause gefahren zu werden, weil sie «aufs Klo» muss.

Die Tragikkomödie von Christophe van Rompaey erhielt beim Filmfest in Cannes den Prix SACD für das beste Drehbuch und wurde in Belgien zum Kassenmagnet. Ein kleiner Wermutstropfen: Der Original-Titel «Anrijding In Moscou» («Zusammenstoß in Moskau») passt viel besser als die deutsche Version «Neulich in Belgien». Bei «Moscou» handelt sich nämlich nicht um die russische Hauptstadt, sondern um einen Stadtteil von Gent. Dort befindet sich auch der Parkplatz, auf dem Matty und Johnny bei ihrer ersten Begegnung zusammen stoßen.

«Neulich in Belgien» - Der Trailer: