US-Vorwahlen: (K) Eine Chance für Hillary14. Mai 2008 13:55  |  Hillary Clinton nach Wahlsieg bei Vorwahlen in West Virginia | Foto: AP |
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Hillary Clinton strahlt vor Freude über ihren Wahlsieg in West Virginia. Doch das Rennen bei den Demokraten ist vorbei. Die Senatorin wird bald erkennen, dass sie sich hinter Obama stellen sollte, wenn es ihr um das Wohl des Landes geht, meint Jens Teschke .
Natürlich kommt Hillary Clinton ins Weiße Haus. Natürlich wird sie die Geschicke der USA lenken. Yes, she can – ist man geneigt zu sagen, aber sie wird es eben an der Seite von Obama machen müssen. Sie wird Vize-Präsidentin werden und Obama wäre gut beraten, sie an seine Seite zu stellen, denn genau das ist das richtige Signal sowohl an die Demokraten als auch an die Wechselwähler, die sich nicht für Obama entscheiden würden, sondern lieber für Clinton - und umgekehrt.
Die Demokratische Partei wird das ungeheure Wahlgewinnungspotenzial schon bald erkennen, erkennen müssen. Gegen John McCain hilft nämlich nur Einigkeit, denn der Republikaner taugt nicht als Polarisierungsfigur. Er ist längst kein Bush, sondern gibt sich liberal, ökologisch, ja, eben auch für Demokraten durchaus wählbar.
Es wird Zeit für die Realität
Der Wahlsieg Clintons in West Virginia mag sie stimulieren, einen Sieg beim Nominierungs-Parteitag im August bringt er ihr nicht. Schon die Mail an ihre Anhänger, dass sie die «Energie des Sieges nutzen werde für weitere Siege in Kentucky und Oregon» ist ein Fehler. Kentucky wird sie wohl tatsächlich gewinnen, im ökologischen Oregon aber wird erneut Obama siegen. Schwer absehbar, wann Clinton dann ernsthaft zu zählen beginnt, um ihre Erfahrung an die Seite von Obama zu stellen.Auf eine Kampfabstimmung beim Parteitag der Demokraten zu beharren wäre ein Fehler. Obama könnte dann mit Recht behaupten, dass es Clinton nicht um das Wohl des Landes geht, sondern um puren Macht-Egoismus. Clinton würde die Nominierung verlieren und zugleich als Vize-Präsidentschaftskandidatin unmöglich sein.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache
Immerhin scheint sie durchaus nachzudenken. Ihr Enthusiasmus über den Wahlsieg in West Virginia führte zu keinen Attacken auf Obama, Clinton sagte sogar, sie «bewundere ihn zutiefst». Vielleicht ist in solchen Tönen schon eine Bewerbung um die Vize-Präsidentschaftskandidatur zu hören?In West Virginia ging es gerade mal um 28 Delegiertenstimmen. 17 davon hat Clinton nun gewonnen – unwesentlich wenn man die anderen Zahlen sieht. Obama führt sowohl bei den bislang gewonnen Delegiertenstimmen, bei den gewonnenen Staaten und auch bei jenen Super-Delegierten, die sich bereits öffentlich bekannt haben.
Erst gestern bekannte sich der Superdelegierte Roy Romer, Ex-Gouverneur von Colorado und ehemaliger Vorsitzender des Nationalkommittees der Demokraten, zu Obama. Auch im Duell gegen McCain führt Obama im Schnitt der Umfragen ebenfalls mit 47 zu 43 Prozent. Insofern ist der Rückzug Clintons nur eine Frage des Wie und nicht des Ob. Für Clinton muss es ein ehrenhafter Rückzug sein. Und genau deshalb sollte ihr Obama Hilfestellung geben. Seine Äußerungen, dass sie «natürlich» ganz oben auf der Liste für eine Vize-Präsidentin stehe, gehen in die Richtung.
Schwache Argumente Clinton mag sich selbst noch als Kandidatin für die Präsidentschaft sehen, aber auch sie kommt nicht umhin, einige Schwächen ihrer Argumentation anzuerkennen –
 |  Noch kämpft sie - aber wie lange ist es noch sinnvoll? | Foto: AP |
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wenigstens in einer ruhigen Minute. Ihr Verweis, dass bislang jeder demokratische Präsidentschaftskandidat in West Virginia die Vorwahlen gewonnen habe, stimmt nur bedingt. Es stimmt für Jimmy Carter und ihren Ehemann Bill Clinton. Aber auch für Michael Dukakis, Walter Mondale, Al Gore und John Kerry – alles Siege, die letztlich nicht ins Weiße Haus führten.Auch die Darstellung Clintons, dass sie wichtige «Swing States» gewonnen habe, ist nur bedingt korrekt. Ja, Ohio, ja, Pennsylvania - und eingeschränkt auch Michigan und Florida, deren Ergebnisse aber nicht anerkannt wurden. Aber nein, Clinton hat Iowa, Minnesota, Missouri und Wisconsin nicht gewonnen. Auch diese Staaten waren in den vergangenen Wahljahren stets unsichere Kandidaten für die Demokraten.
 |  Es geht doch: Seite an Seite | Foto: AP |
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Fazit: Die Wahlkämpferei der Demokraten wird ermüdend. Obama hat das klar erkannt und konzentriert sich längst auf McCain als künftigen Gegner im Rennen um die Präsidentschaft. Er zeigt hier mehr politischen Verstand als die angeblich so erfahrene Clinton. Doch letztlich wird auch sie die Zahlen anerkennen müssen und vielleicht noch die Kurve bekommen. Ein Doppelgespann Obama-Clinton, Schwarzer und Frau, Visionär und Realistin, wäre für McCain auf jeden Fall ein schwerer Gegner.
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