Heute zählt der Pornobestand, der sonst nur für Forschungszwecke zugänglich ist, rund 1700 Titel. Im Zuge der Studentenunruhen und der sexuellen Befreiung wurde der Sonderbestand 1969 aufgelöst, auf Drängen der Wissenschaftler und Bibliothekare 1983 wieder eingeführt. «Nicht aus moralischen, sondern aus rein praktischen Gründen», meinte die Kuratorin. Die zum Teil sehr kunstvoll illustrierten Bücher und Manuskripte werden auch durch fernöstliche Kamasutra-Zeichnungen und zeitgenössische Kunst wie Fotografien von Man Ray ergänzt.Zu den lasterhaften Vertretern des 20. Jahrhunderts gehört Jean Genet, der in seinen Werken Sex mit Männern beschreibt, oder Georges Bataille, für den die erotische Erfahrung eine wichtige Antriebskraft war. Auch Salvador Dali wurde in die «Hölle» verdammt, weil in der Mitte einer Grafik ein grauer Fleck zu sehen ist. Dali hat sich beim Malen selbst befriedigt. «Ich zeichne mit links und masturbiere mit rechts, bis das Blut kommt», sagte der spanische Maler einst.