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Frankreichs Nationalbibliothek zeigt Pornos

13. Dez 2007 10:13
Munteres Treiben: Exponat der Ausstellung
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Lange verpönt, findet nun auch der Sex in Zeichnungen, Büchern und Filmen den Weg in eine altehrwürdige Kulturinstitution Frankreichs. Kritik bleibt nicht aus, doch die Besucher kommen in Scharen.

Für die einen ist es ein sündhaftes Laster, für die anderen das Paradies: Sex jeder Art. Unter dem Titel «Die Hölle der Bibliothek. Heimlicher Eros» zeigt die französische Nationalbibliothek in Paris eine Ausstellung, die bei den Besuchern Schamröte ins Gesicht steigen lässt oder für glasige Augen sorgt. Bis zum 2. März sind rund 350 Zeichnungen mit reichlich entblößten Genitalien, pornografische Filmsequenzen und Bücher, die sadomasochistische Praktiken schildern, zu sehen. Lange waren diese Werke für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

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In Deutschland heißt der Ort, an dem solche obszönen und anstößigen Dokumente verschlossen werden, Giftschrank, in Frankreich «L'Enfer», die Hölle. Dieser Fundus entstand Ende der 1830 Jahre während der Regierung von Louis Philippe. «Der Bestand wurde als extrem verwerflich, aus bibliophiler Sicht jedoch zuweilen hochwertvoll charakterisiert», erklärt die Kuratorin Marie-Françoise Quignard.

Und so ist in der Ausstellung reichlich Sex seit dem 17. Jahrhundert zu sehen. Marquis de Sade ist mit seinen Sex- und Gewaltexzessen zahlreich vertreten, aber auch Robert-André Andréa de Nerciat mit «Der Teufel im Leibe». Während «L'Enfer» 1876 rund 600 Titel zählte - die Hälfte waren Pfändungen - stieg die Zahl lasterhafter Titel zwischen 1913 und 1969 um 850 an.

1700 Titel

Heute zählt der Pornobestand, der sonst nur für Forschungszwecke zugänglich ist, rund 1700 Titel. Im Zuge der Studentenunruhen und der sexuellen Befreiung wurde der Sonderbestand 1969 aufgelöst, auf Drängen der Wissenschaftler und Bibliothekare 1983 wieder eingeführt. «Nicht aus moralischen, sondern aus rein praktischen Gründen», meinte die Kuratorin. Die zum Teil sehr kunstvoll illustrierten Bücher und Manuskripte werden auch durch fernöstliche Kamasutra-Zeichnungen und zeitgenössische Kunst wie Fotografien von Man Ray ergänzt.

Zu den lasterhaften Vertretern des 20. Jahrhunderts gehört Jean Genet, der in seinen Werken Sex mit Männern beschreibt, oder Georges Bataille, für den die erotische Erfahrung eine wichtige Antriebskraft war. Auch Salvador Dali wurde in die «Hölle» verdammt, weil in der Mitte einer Grafik ein grauer Fleck zu sehen ist. Dali hat sich beim Malen selbst befriedigt. «Ich zeichne mit links und masturbiere mit rechts, bis das Blut kommt», sagte der spanische Maler einst.

Warum eine solche Ausstellung erst jetzt stattfindet? «Die Zeiten haben sich geändert. Man geht heute mit Pornografie weniger prüde um», meint die Kuratorin. Einige verklemmte Reaktionen im Vorfeld schienen dem eher zu widersprechen. Die Ausstellung ist mit rund 600 Besuchern täglich jedoch ein Publikumserfolg und zieht überwiegend Männer an - ob aus bibliophilem Interesse sei dahingestellt. (Sabine Glaubitz/dpa)


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