netzeitung.dePicassos größte Muse wird 100

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Die Geliebte und Muse, wie Picasso sie sah: das Gemälde 'Dora Maar au chat'. (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die Geliebte und Muse, wie Picasso sie sah: das Gemälde 'Dora Maar au chat'.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Dora Maar war mit dem spanischen Künstler Pablo Picasso leidenschaftlich verbunden. Die Kommunistin brachte ihn dazu, «politische» Bilder zu malen. Er liebte ihre Aura des Düsteren.

Pablo Picasso liebte, malte und zerstörte sie seelisch - und dennoch kam nach dem spanischen Meister für Dora Maar nur noch Gott. Die Künstlerin, die am Donnerstag 100 Jahre alt geworden wäre, ist als bekannteste Muse Picassos in die Kunstgeschichte eingegangen. Die Fotografin war eine der vielen Geliebten des egozentrischen Genies. Die leidenschaftliche Affäre dauerte mehr als acht Jahre. Als die Liaison zerbrach, fiel die dunkle Schönheit in tiefe Depressionen. Einsam starb Dora Maar 1997 in Ménerbes in der Provence - in dem Haus, das ihr Picasso geschenkt hatte und in dem sie zuletzt in klösterlicher Zurückgezogenheit lebte.

Die in der westfranzösischen Stadt Tours 1907 zur Welt gekommene Tochter eines Architekten war die einzige unter den Geliebten Picassos, die großen Einfluss auf sein künstlerisches Schaffen hatte. Dora Maar, die eigentlich Henriette Theodora Markovitch hieß, war für ihre Foto-Porträts der mondänen Pariser Welt bekannt und lernte den 25 Jahre älteren Picasso 1935 in dem bekannten Pariser Künstler- und Literatencafé «Les Deux Magots» kennen. Damals hatte Picasso der Malerei den Rücken gekehrt, um sich ausschließlich seinen Gedichten zu widmen. Dora Maar regte ihn jedoch nicht nur zu einigen seiner schönsten Frauenporträts an. Die überzeugte Kommunistin inspirierte ihn auch zu «politischen» Bildern.
Den Alptraum fotografiert
Sie war die einzige, die während der Arbeit an dem berühmten Wandgemälde «Guernica» in Picassos Nähe sein durfte. Er beauftragte sie sogar mit einer Fotodokumentation zum Entstehungsprozess des monumentalen Werks, das das Grauen des spanischen Bürgerkriegs darstellt. Damit sollte sie zeigen, wie sich der «Alptraum in der Wirklichkeit des Malprozesses manifestiert». Ihre meisterlichen Fotografien sind von großer Bedeutung, weil sie einen Einblick in die Arbeitsweise Picassos erlauben.

Picasso hatte die junge, emanzipierte und vielbegehrte Frau von Anfang an mit dem Blick des künstlerischen Genies gesehen. In ihren grünen Augen und um ihren sinnlichen Mund herum entdeckte er eine Aura des Düsteren, des Schmerzes. Diese Schwere faszinierte ihn. «Ich könnte kein Bild von ihr malen, auf dem sie lacht», sagte er und fügte hinzu, dass er sie nicht aus Sadismus und Vergnügen in so verzehrten Formen gemalt habe, sondern nur einer Vision zufolge, die sich ihm aufzwang. Diese Aura des Leidens verewigte Picasso in einer Reihe von Porträts, darunter dem Meisterwerk «Die weinende Frau».

Ärger mit der blonden Rivalin
Die Frauenporträts standen in starkem Kontrast zu den Darstellungen der blonden Picasso-Geliebten Marie-Thérèse Walter, die er fast immer in hellen, leuchtenden Farben malte. Mit Walter, die Picasso die Tochter Maya schenkte, musste Dora Maar ständig um die Gunst des Mannes kämpfen: «Ich hatte kein Interesse daran, eine Entscheidung zu treffen. Ich sagte ihnen, sie sollten es unter sich ausmachen», sagte der Maler über die Rivalität der beiden Frauen.

Die Beziehung zwischen Dora Maar und Picasso war eine Liebe zwischen zwei exzentrischen und starken Persönlichkeiten. Sie zerbrach 1944, als er die 21-jährige Françoise Gilot kennenlernte. Dora Maar, die sich aus Liebe zu Picasso von der Fotografie hin zur Malerei wandte, präsentierte nach der Trennung von Picasso ihre Werke in einigen Ausstellungen. Bilder, die kraftlos wirkten - als sei jegliche Energie und Lebenskraft aus ihr gewichen. (Sabine Glaubitz, dpa)