Ein Meister sinnlicher Akte
13. Okt 2007 11:50
 |  Courbet stellte sich selbst als Verzweifelten dar | Foto: dpa |
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Mit seiner realistischen Malerei brach Gustave Courbet zu Lebzeiten viele Tabus. Das Grand Palais in Paris widmet ihm nun eine große Retrospektive.
Er liebte die Frauen so, wie sie waren: aus Fleisch und Blut und in ihrer ganzen Üppigkeit. Auf die heftige Kritik und den Skandal, den seine «Badenden» und sein «Ursprung der Welt» - eine Nahsicht der schambehaarten Vulva - auslösten, reagierte Gustave Courbet (1819-1877) mit beißendem Spott.
Courbet brach mit der damaligen Konvention der Idealisierung und stellte die naturalistische Darstellung in den Mittelpunkt seiner Malerei. Unter dem Titel «Gustave Courbet» widmet das Pariser Grand Palais dem führenden Vertreter des Realismus seit 30 Jahren in Frankreich erstmals wieder eine Retrospektive. Einige der 120 Werke, darunter die meisterhafte Aktdarstellung «Femme nue couchée» (liegende nackte Frau), sind von Samstag (13. Oktober) an erstmals in der Öffentlichkeit zu sehen. Die Ausstellung dauert bis zum 28. Januar.
Gegen die Ästhetik seiner Zeit
«Die Malerei ist im Wesentlichen eine konkrete Kunst. Deshalb kann sie nur aus der Darstellung wirklicher und existierender Dinge bestehen», lautete das Credo des außergewöhnlichen Malers. Dieses Leitmotiv setzte er in allen Genres um - gleich ob Akt, Porträt oder Historienmalerei. Man warf ihm deshalb vor, das Hässliche und Vulgäre verherrlichen zu wollen. So sind auf den 30 Figuren in dem monumentalen Gemälde «Begräbnis in Ornans» die Bauern mit ausgezerrten Gesichtern abgebildet. Auf die Kritiker der damaligen Zeit wirkten sie einfach nur verroht. Die Ausstellung ist thematisch angelegt und beginnt mit seinen Porträts, die anfänglich noch sehr akademisch wirkten, vor allem seine Selbstporträts als junger Künstler. Eines seiner Selbstbildnisse «Courbet mit Hund» war denn auch sein erstes Werk, das auf dem Kunstsalon 1844 angenommen wurde. Seine Selbstdarstellung mit dem Titel «Der Verzweifelte» hingegen lässt bereits die ersten Ansätze seiner ausdrucksstarken Bildsprache erkennen. Es stellt einen jungen Maler dar, der sich verzweifelt die Haare rauft und den Betrachter mit weit aufgerissenen Augen direkt anstarrt.
Liebe zum Landleben
Courbet war seinem Heimatort Ornans stets verbunden. Zwar hat der Künstler in Paris studiert und zeitweise auch in der Hauptstadt gelebt, doch war er kein Stadtmensch. Mit Vorliebe malte er die Landschaft seiner Heimat in kontrastreichen Tönen, manchmal wirkten die Abbildungen fotografisch. «Das Schloss von Ornans» oder «Das Tal von Ornans» - Leihgaben amerikanischer Museen - sind dafür ein Beispiel. Die Ausstellung präsentiert einen vielfältigen Künstler: Courbet als Maler packender Landschaften, großformatiger Jagdszenen und brillant kolorierter Stillleben. Doch Höhepunkt der Ausstellung dürften seine sinnlichen Akte sein. Der meist bräunliche Bildhintergrund steht hervorragend im Kontrast zur hellen, gleichsam glänzenden Haut der Frauenkörper - so wie bei dem Skandalgemälde der «Ursprung der Welt», auf dem eine nackte Frau mit geöffneten Schenkeln auf einem Bett oder Sofa liegt. Das Bild, das 1866 entstand, wurde mehr als 120 Jahre lang nicht öffentlich gezeigt. (Sabine Glaubitz, dpa)