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Lob und Tadel für Nobelpreis an Doris Lessing

11. Okt 2007 14:22
Das Medieninteresse an Doris Lessing ist groß - wie hier auf der Frankfurter Buchmesse
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Umberto Eco freut sich über die höchste Literatur-Auszeichnung an die britische Autorin Doris Lessing. Marcel Reich-Ranicki ist dagegen enttäuscht.

Der italienische Schriftsteller Umberto Eco hat die mit dem Literaturnobelpreis geehrte Doris Lessing als «große, individuelle literarische Seele» bezeichnet. «Sie verdient ihn zweifellos», sagte der Autor und Wissenschaftler am Donnerstag auf der Frankfurter Buchmesse.

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«Es ist sehr außergewöhnlich, dass sie (die Schwedische Akademie) den Preis zwei Mal in so kurzer Zeit an das gleiche Land verleiht», sagte Eco unter Verweis auf den Briten Harold Pinter, der 2005 die mit 1,1 Millionen Euro dotierte Auszeichnung erhielt.

Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hingegen nannte die Entscheidung der Jury enttäuschend. «Ich finde sie bedauerlich», sagte der 87-Jährige am Donnerstag in Frankfurt. Er sei der Ansicht, dass die angelsächsische Welt, «viele, jedenfalls mehrere bedeutendere, wichtigere Schriftsteller hat».

Er habe erneut erwartet, dass Philip Roth oder John Updike ausgezeichnet werden. «Weder der eine, noch der andere hat den Preis bekommen, na ja.» Reich-Ranicki sagte, er habe von Lessing «vielleicht drei» Bücher gelesen. Das sei aber schon lange her. «Nichts hat mich wirklich beeindruckt.»

Er sei aber nicht überrascht über die Entscheidung der Jury, so Reich-Ranicki. «Wir hatten ja mehrere Autoren, die im Laufe der letzten Jahre den Preis bekommen haben, wo es eigentlich ganz und gar unbegreiflich war.» Als Beispiele nannte er «Dario Fo mit Sicherheit und auch eine deutschsprachige Autorin» - ohne die 2004 ausgezeichnete Österreicherin Elfriede Jelinek namentlich zu nennen.

Scheck: «Ästhetisch eher eine Pleite»

«Eine gute Entscheidung, aber eine Entscheidung, die zwanzig Jahre zu spät kommt», sagte der Literaturkritiker Denis Scheck am Donnerstag auf der Frankfurter Buchmesse. «Politisch ist die Entscheidung zu begrüßen, weil hier eine Vorkämpferin des Feminismus und des Anti-Rassismus geehrt wird. Ästhetisch dagegen ist es eher eine Pleite.»

Gregor Gysi äußerte Freude über die Auszeichnung für seine Tante. Er habe einen guten Kontakt zu der 87-Jährigen, die
er erst vergangene Woche in Hamburg getroffen habe, hieß es aus der Linke-Fraktion im Bundestag. Doris Lessing ist eine angeheiratete Tante von Gysi, der Vorsitzender der Fraktion ist. Sie war in zweiter Ehe (1944 bis 1949) mit dem deutschen Emigranten Gottfried Anton Nicolai Lessing verheiratet, einem Bruder von Gysis Mutter Irene. (dpa)

 
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