11. Okt 2007 13:04, ergänzt 15:12
Der Nobelpreis für Literatur geht an die britische Autorin Doris Lessing. Seit ihrem Erfolgsroman «Das goldene Notizbuch» gilt sie als eine der Pionierinnen der Frauen-Bewegung.
Lessing wurde von der Neuigkeit beim Einkaufen überrascht, wie eine Sprecherin ihres Agenten Jonathan Clowes mitteilte. Sie habe die Preisverkündung gar nicht verfolgt. «Wir sind hoch erfreut, und das ist sehr verdient», hatte Clowes zuvor bereits erklärt.Der Durchbruch sei Doris Lessing 1962 mit dem Roman «Das goldene Notizbuch» gelungen, so die Nobelpreisakademie. Ihr Werk sei von der Frauenbewegung als Pionierleistung angesehen worden. «Es gehört zu der Handvoll Bücher, die über die Sicht der Mann-Frau-Beziehung des 20. Jahrhunderts informieren.»
Lessing beschrieb in über 50 Jahren schriftstellerischer Tätigkeit ihren Lesern das koloniale Afrika ebenso wie soziale und mentale Krisen oder auch eine atomare Katastrophe. Die im heutigen Iran geborene Autorin debütierte 1950 mit dem Roman «Afrikanische Tragödie». Weitere wichtige Bücher waren «Der Sommer vor der Dunkelheit» (1973) und «Das fünfte Kind» (1988).
«Die Vision einer globalen Katastrophe, die die Menschheit zwingt, zu einer primitiveren Lebensform zurückzugehen, sprach Doris Lessing besonders an», hieß es. Dieses Motiv komme auch in ihren neueren Büchern wieder vor - so auch in «Mara and Dann» (1999) und in der 2005 veröffentlichten Folge «Die Geschichte von General Dann und Maras Tochter, von Griot und dem Schneehund». Lessings deutscher Verlag Hoffmann und Campe zeigte sich am Donnerstag auf der Frankfurter Buchmesse sehr erfreut.
«Es ist ein großes Glück für den Verlag. Natürlich haben wir immer gehofft, dass Doris Lessing den Literaturnobelpreis erhält», erklärte Geschäftsführer Günter Berg. Er erinnerte daran, dass die Autorin erst am Mittwoch zu einer Lesung in Hamburg gewesen sei. Berg beschrieb sie als eine hochsympathische Frau, die sich nie habe vereinnahmen lassen. Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an den türkischen Schriftsteller Orhan Pamuk. Bereits vergeben wurden die diesjährigen Nobelpreise für Medizin, Physik und Chemie. Die Auszeichnung für Chemie ging am Mittwoch an den deutschen Wissenschaftler Gerhard Ertl. Den Preis für Physik teilen sich der Deutsche Peter Grünberg und der Franzose Albert Fert. Am morgigen Freitag folgt die Bekanntgabe des Friedensnobelpreisträgers. Die Preise sind mit jeweils zehn Millionen Kronen (rund 1,1 Millionen Euro) dotiert und werden am 10. Dezember vergeben, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel. (AP)