Unesco streicht Objekte von Roter Liste
24.06.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Zum Auftakt der Unesco-Tagung wurden die Sumpflandschaft der Everglades im US-Bundesstaat Florida und ein Regenwaldgebiet am Río Plátano in Honduras wieder von der Roten Liste der bedrohten Naturdenkmäler genommen. Die USA hätten mit großem Aufwand die Bedrohungen durch die Zerstörungen des Hurrican «Andrew» 1992 sowie durch Zersiedelung und Umweltverschmutzung von den Everglades abgewendet, lobten die Delegierten.
Die zehntägige Sitzung des Welterbe-Komitees hatte am Samstag mit einem Kulturprogramm der neuseeländischen Ureinwohner, der Maoris, begonnen. 50 Krieger begrüßten die 600 Delegierten und Unesco- Vertreter mit Tänzen. «Öffnet der Weisheit und Nachdenklichkeit die Türen, damit die Ergebnisse dieses Treffens akzeptabel sind und wir in die Fußstapfen unserer Ahnen treten, die uns diese Landschaften hinterlassen haben», sagte Rick Tau, Stammesältester des Ngai Tahu- Stammes.
Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU), ein Befürworter des Dresdner Brückenbaus, hat nach einem Bericht der «Sächsischen Zeitung» von Samstag im Streit um die Brücke an Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) appelliert. Die Vertreter der Bundesrepublik müssten bei Tagung die deutsche Rechtsprechung beachten.
Die Stadt Dresden wird dem Welterbe-Komitee gegen den Willen des Freistaates Sachsen einen alternativen Brückenentwurf als Kompromissangebot vorlegen. Sie war in allen Instanzen bis zum Bundesverfassungsgericht gescheitert, den Bau der bislang geplanten Brücke zu verhindern. Nach Ansicht der Gerichte muss ein Dresdner Bürgerentscheid für die Brücke aus dem Jahre 2005 umgesetzt werden.
Als verantwortungslos bezeichnete der Vorsitzende des Bundestags- Kulturausschusses Hans-Joachim Otto (FDP) das Verhalten Milbradts. Ein Verlust des Welterbe-Titels wäre nicht nur für Dresden, sondern für die gesamte Bundesrepublik ein großer Schaden, betonte er. «Aber auch der Unesco, die an dem Dresdener Schlamassel keineswegs unschuldig ist, stünde eine Streichung des Elbtals von der Welterbe- Liste nicht gut zu Gesicht.» Die Unesco, die sich gegenüber anderen Welterbe-Stätten weit kulanter verhalte, täte gut daran, keine voreiligen Entscheidungen zu treffen und über das Warnsignal Rote Liste hinaus vorerst keine Konsequenzen zu ziehen.
Das Unesco-Komitee will während der Sitzung prüfen, ob die auf der Liste eingeschriebenen Regionen und Denkmäler ausreichend gepflegt werden. Ihr liegen nach Angaben von Samstag zudem 36 Anträge um Neuaufnahme vor, darunter neben Heidelberg auch das Opernhaus von Sydney sowie die Buchenwälder der Karpaten in der Slowakei. Auf der Liste stehen zur Zeit 830 Regionen und Denkmäler. (dpa)

