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Deutscher Friedenspreis an Israeli

14. Jun 2007 15:37
Saul Friedländer
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Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geht an den israelischen Historiker Saul Friedländer. Er wird damit für sein Werk über den Massenmord an den Juden geehrt.

Wie in einem so hoch entwickelten Volk ein so unfassbar großes Verbrechen geschehen konnte, diese Frage hat den Historiker Saul Friedländer sein Leben lang beschäftigt. Der 74- Jährige, der im Herbst den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhält, ist einer letzten Zeitzeugen des Holocaust.

«Saul Friedländer hat den zu Asche verbrannten Menschen Klage und Schrei gestattet, Gedächtnis und Namen geschenkt. Er hat den Ermordeten die ihnen geraubte Würde zurückgegeben, deren Anerkennung die Grundlage des Friedens unter den Menschen ist», begründete der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Frankfurt seine am Donnerstag verkündete Entscheidung.

Holocaust als Lebensthema

Ausgerechnet die Verfolgung hat Friedländer zum Juden gemacht: Er wuchs als Sohn deutschsprachiger Eltern in Prag auf, die jüdischen Wurzeln seiner Vorfahren waren Geschichte. Als die Deutschen Prag besetzten, floh die Familie nach Frankreich. Pavel, wie er damals hieß, überlebte als Paul-Henri Ferland als getaufter Katholik in einem christlichen Internat. Zeitweise, wissen die Biografien, wollte er sogar Priester werden. Seine Eltern starben im Konzentrationslager Auschwitz. Nach Kriegsende konvertierte Friedländer zum Judentum, aus Pavel wurde Saul. 1948 wanderte er nach Israel aus.

Der Holocaust ist nicht nur sein persönliches, sondern auch sein berufliches Lebensthema. Nach dem Studium in Tel Aviv und Paris lehrte er in Genf, Tel Aviv und Los Angeles. Als Quintessenz seiner wissenschaftlichen Arbeit gilt das zweibändige Werk «Das Dritte Reich und die Juden», das auf Deutsch 1998 und 2006 veröffentlicht wurde. darin sammelte er Dokumente, Studien und Analysen, aber auch persönliche Schicksale, Tagebuchaufzeichnungen, Briefe und Erinnerungen. Der Börsenverein charakterisiert seine Arbeitsweise als «dokumentarisch genau, stilsicher und mitleidend».

«Erlösungsantisemitismus»

Friedländer etablierte den Begriff des «Erlösungsantisemitismus» in der Geschichtswissenschaft. Er meint damit, dass der Judenhass der Nazis einen pseudoreligiösen Aspekt hatte. Die Nazis, meint Friedländer, erwarteten von der Ermoderung der Juden eine Art persönliche Erlösung. Das habe sie so skrupellos gemacht.

Zu seinen frühen Arbeiten gehört eine Studie über Papst «Pius XII und das Dritte Reich» (deutsch 1965). In «Kurt Gerstein oder die Zwiespältigkeit des Guten» (1967) schildert er einen tief gläubigen christlichen Arzt, der der SS beitrat, um verdeckt gegen den Holocaust wirken zu können. In «Wenn die Erinnerung kommt» (Original Paris 1978) erzählt er von seiner eigenen Kindheit. 1984 kritisierte er die Instrumentalisierung menschlicher Leiden durch Kommerz und Medien («Kitsch und Tod»).

Politkowskaja nicht berücksichtigt

Friedländer arbeitet in zahlreichen Kommissionen, unter anderem untersuchte er die Rolle des Bertelsmann-Konzerns im Dritten Reich. Der Wissenschaftler wurde mehrfach ausgezeichnet, so mit dem Preis der Leipziger Buchmesse (2007), dem Geschwister-Scholl- Preis (1998), dem National Jewish Book Award (1997) und dem Israel Prize (1983). Er lebt heute die meiste Zeit in Los Angeles, hat drei Kinder und vier Enkel.

Mit der Entscheidung für Friedländer hat sich der Börsenverein für einen Preisträger entschieden, der länger zurückliegende historische Ereignisse bearbeitet. Der Vorschlag, den Friedenspreis posthum an Anna Politkowskaja zu verleihen, wurde nicht befolgt. Die Statuten hätten eine Ehrung nach dem Tod erlaubt. 260 Persönlichkeiten hatten sich im Februar für die ermordete russische Journalistin ausgesprochen, darunter der französische Philosoph André Glucksmann, die Autorin Monika Maron, Historiker Arno Lustiger und Cap-Anamur- Gründer Rupert Neudeck. (Von Sandra Trauner, dpa)

 
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