31. Mai 2007 10:30
Für Besucher immer geöffnet: Die Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister gibt es nun in der virtuellen Welt des Second Life. Internetnutzer können dort Kunst anschauen, miteinander chatten und sich informieren.
Die Web-Galerie hat rund um die Uhr geöffnet, Besucher können Kunst anschauen, miteinander chatten und sich informieren. Für das Projekt wurde eigens eine Homepage www.dresdengallery.com mit einem Link geschaltet, mit dem sich die Bevölkerung von Second Life direkt zum Museum beamen kann. «Voraussetzung ist eine eigene Figur, Avatar genannt», erläuterte der Konservator für Italienische Malerei der Galerie, Andreas Henning; er hatte die Idee für das Internet-Projekt. Realisiert wurde das virtuelle Museum von 3-D- Designern aus China und Deutschland, die das einzigartige barocke Architekturensemble des Zwingers und die im 19. Jahrhundert im Stil der Neo-Renaissance erbaute Sempergalerie mit Hilfe von 1000 Fotos und Videos detailgetreu nachbauten. Der virtuelle Besucher landet vor dem berühmten Kronentor und kann sich dann im Zwinger umschauen, bevor er zur Galerie geht. «Alle 54 öffentlich zugänglichen Säle und Kabinette der Galerie sind virtuell rekonstruiert und alle Werke der Dauerausstellung zu sehen», sagte Henning.
Zu den Hauptwerken werden 70 fachlich fundierte und teils mit Musik unterlegte Kommentare angeboten. In einem Gästebuch können Kritik, Ergänzungen und Eindrücke notiert werden, die auf der Projekt-Homepage publiziert werden. Zudem bietet ein Shop Poster und mit Kunstmotiven bedruckte Kleidung. Die Gemäldegalerie Alte Meister gehört zu den weltweit bedeutendsten Sammlungen ihrer Art und beherbergt Meisterwerke italienischer, holländischer, flämischer und deutscher Maler wie Raffael, Tizian, Rubens, Rembrandt, Vermeer, Cranach, Dürer oder Holbein.
Ihr Reichtum rührt aus der Sammelleidenschaft der sächsischen Kurfürsten und polnischen Könige August II. (der Starke) und August III. Zu den berühmtesten Bildern gehören «Die Sixtinische Madonna» von Raffael, Tizians «Zinsgroschen», die «Schlummernde Venus» von Giorgione und Liotards «Schokoladenmädchen».
Die Online-Erlebniswelt «Second Life» (Zweites Leben) wurde vor rund vier Jahren vom US-amerikanischen Physiker Philip Rosedale und dessen kalifornischer Software-Schmiede Linden Lab erfunden. Die Nutzer besiedeln mit Computerfiguren eine virtuelle Welt und kommunizieren dort miteinander.
Das vom Institut für Kommunikationswissenschaften der TU Dresden wissenschaftlich begleitete Projekt der virtuellen Dresdner Galerie ist ein Experiment. Das Konzept unterscheide sich grundsätzlich von rein fiktiven Museumskreationen im Netz, die kein Pendant im realen Leben haben, sagte Kunstsammlungs-Chef Roth. «Wir wollen uns für neue Zielgruppen öffnen und weltweit werben.» Die Galerie im Web solle neugierig machen auf den Museumsbesuch in der Wirklichkeit. «Das heißt nicht, dass damit der reale Besuch ersetzt wird.»
Der Einstieg in Second Life sei ein Wagnis, bei Erfolg jedoch eine Ausweitung auf andere Museen der Kunstsammlungen nicht ausgeschlossen. (Internet: www.dresdengallery.com; www.skd-dresden.de) (Simona Block, dpa)