Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Radikale und glamouröse Inszenierungen

04. Mai 2007 15:06
Radikale und glamouröse Inszenierungen beim Berliner Theatertreffen
Bild vergrößern
Die RAF ist auch Thema beim 44. Berliner Theatertreffen. Neben «Ulrike Maria Stuart» werden zwei weitere Stücke aus dem Hamburger Thalia Theater gezeigt.

Komödien, Tragödien, Zeitgenössisches und Klassisches: Das 44. Berliner Theatertreffen zeigt ab Samstag bis zum 20. Mai zehn der bemerkenswertesten Produktionen der vergangenen Saison. Eröffnet wird die Leistungsschau des deutschsprachigen Theaters mit Elfriede Jelineks «Ulrike Maria Stuart» vom Hamburger Thalia Theater. Die Inszenierung von Nicolas Stemann widmet sich einem hochaktuellem Thema: Dem Umgang mit ehemaligen RAF-Terroristen.

In dem Stück loten die Figuren Ulrike Meinhoff und Gudrun Ensslin die Möglichkeiten weiblicher Macht aus. Jelineks Stück nimmt das Frauenpaar aus Schillers «Maria Stuart» als Vorlage, um darauf die Auseinandersetzung zwischen den Ex-RAF-Terroristinnen abzubilden. Beide fühlen sich als Königinnen, wollen ihre Gesetze allen geben. Aber es gibt ein Problem: Das Volk will sie einfach nicht verstehen.

Das Hamburger Thalia Theater ist nicht nur mit dieser Produktion, sondern zwei weiteren dabei. Gezeigt werden auch Sartres «Die schmutzigen Hände» in Regie von Andreas Kriegenburg und das mit den Salzburger Festspielen co-produzierte Stück «Der Tartuffe» nach Moliére von Dimiter Gotscheff. Dass dieses Thalia-Theater so häufig vertreten sei, bedeute nicht etwa eine Bevorzugung dieser Bühne durch die siebenköpfige Jury, erklärt Jurorin Christine Dössel. Vielmehr sei es «schlicht und einfach die verdiente Anerkennung dieser Arbeiten an einem tatsächlich sehr ambitionierten und erfolgreichen Haus».

Kriegenburg und Bosse je mit zwei Inszenierungen dabei

Kriegenburg ist ein weiteres Mal eingeladen. So wird auch seine surreale und aufgekratzte Version von Tschechows «Drei Schwestern» zu sehen sein, die an den Münchner Kamerspielen entstand. Mit Jan Bosse ist ein weiterer Regisseur zwei Mal eingeladen: Er wird zwei Klassiker präsentieren: Zum einen seine am Maxim Gorki Theater Berlin entstandene Inszenierung von Goethes «Die Leiden des jungen Werthers», zum anderen Shakespeares «Viel Lärm um nichts», eine Aufführung, die am Burgtheater Wien erarbeitet wurde. Mit dabei sind auch wieder bekannte Schauspieler wie Sandra Hüller oder Fritzi Haberlandt («Werther»).

Hüller, die 2006 für ihre Rolle in «Requiem» bei der Berlinale den Silbernen Bären als beste Schauspielerin erhielt, wird in der Aufführung «Dido und Aeneas» vom Theater Basel zu sehen sein. Die Inszenierung von Sebastian Nübling ist ein Mix aus Schauspiel und Oper. Zu sehen sein wird auch ein Stück der Erfolgsautorin Yazmina Reza. Jürgen Gosch inszenierte am Schauspielhaus Zürich «Der Gott des Gemetzels», in dem ein privater Bürgerkrieg geschildert wird. Viel Blut fließt in Michael Thalheimers radikal verdichteten Hardcore-Variante der «Orestie» von Aischylos, die am Deutschen Theater Berlin entstand.

Und es gibt auch junges Blut: Tilmann Köhler, Jahrgang 1979, inszenierte am Deutschen Nationaltheater Weimar Ferdinand Bruckners «Krankheit der Jugend». Hier geht es um die Selbstfindungsversuche von Jugendlichen. Wie so häufig sind aus der freien Szene oder der so genannten Provinz keine Inszenierungen eingeladen. Die Auswahl sei natürlich kein objektiver Maßstab, wohl aber ein Thermometer, sagt Dössel. Auf jeden Fall sei eine Tendenz zum «Edeltheater» erkennbar. Dies wäre der wohl passende Begriff «für die unverkennbare Tendenz hin zu Glanz, Entertainment und Eleganz, die sich in der aktuellen Auswahl» spiegele.

Zu erwarten seien «geschmeidige, ästhetisch reiche, poetisch-sinnliche Theaterabende». Das Festival steht unter dem Motto «Unter Freunden». Erstmals werden in diesem Jahr einige Aufführungen mit englischen Übertiteln ausgestattet. Man habe in den letzten Jahren beobachtet, dass das Theatertreffen zunehmend auch zu einem bedeutenden Anlaufpunkt des internationalen Theaters geworden sei, erklärt Joachim Sartorius, der Intendant der veranstaltenden Berliner Festspiele.

Auch in diesem Jahr werden drei Preise verliehen. Bereits bekannt ist, dass Ulrich Matthes am 6. Mai den Theaterpreis Berlin erhalten wird. Am Ende des Theatertreffens werden der mit 5.000 Euro dotierte Alfred-Kerr-Darstellerpreis an einen Nachwuchsschauspieler und der mit 10.000 Euro dotierte 3sat-Preis für eine besonders zukunftsweisende Leistung vergeben. 3sat und der Theaterkanal werden drei der zehn Inszenierungen in voller Länge übertragen.(Holger Mehlig, AP)

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
 
Anschlagsserie mit Dutzenden Toten: 
13-Jährige sprengt sich im Irak in die Luft
Nach dem Tod von acht Zivilisten: 
Syrien kritisiert «Aggression» der US-Armee
 
«Außergewöhnliche Umstände»: 
Merkel und Sarkozy wollen Stabilitätspakt lösen
Alternative Energien, alternative Lieferanten: 
Brüssel macht sich auch für Atomkraft stark
 
BKA-Gesetz: 
Kameras in der Küche
 
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Aus anderen Ressorts

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.