Kriegenburg ist ein weiteres Mal eingeladen. So wird auch seine surreale und aufgekratzte Version von Tschechows «Drei Schwestern» zu sehen sein, die an den Münchner Kamerspielen entstand. Mit Jan Bosse ist ein weiterer Regisseur zwei Mal eingeladen: Er wird zwei Klassiker präsentieren: Zum einen seine am Maxim Gorki Theater Berlin entstandene Inszenierung von Goethes «Die Leiden des jungen Werthers», zum anderen Shakespeares «Viel Lärm um nichts», eine Aufführung, die am Burgtheater Wien erarbeitet wurde. Mit dabei sind auch wieder bekannte Schauspieler wie Sandra Hüller oder Fritzi Haberlandt («Werther»). Hüller, die 2006 für ihre Rolle in «Requiem» bei der Berlinale den Silbernen Bären als beste Schauspielerin erhielt, wird in der Aufführung «Dido und Aeneas» vom Theater Basel zu sehen sein. Die Inszenierung von Sebastian Nübling ist ein Mix aus Schauspiel und Oper. Zu sehen sein wird auch ein Stück der Erfolgsautorin Yazmina Reza. Jürgen Gosch inszenierte am Schauspielhaus Zürich «Der Gott des Gemetzels», in dem ein privater Bürgerkrieg geschildert wird. Viel Blut fließt in Michael Thalheimers radikal verdichteten Hardcore-Variante der «Orestie» von Aischylos, die am Deutschen Theater Berlin entstand.
Und es gibt auch junges Blut: Tilmann Köhler, Jahrgang 1979, inszenierte am Deutschen Nationaltheater Weimar Ferdinand Bruckners «Krankheit der Jugend». Hier geht es um die Selbstfindungsversuche von Jugendlichen. Wie so häufig sind aus der freien Szene oder der so genannten Provinz keine Inszenierungen eingeladen. Die Auswahl sei natürlich kein objektiver Maßstab, wohl aber ein Thermometer, sagt Dössel. Auf jeden Fall sei eine Tendenz zum «Edeltheater» erkennbar. Dies wäre der wohl passende Begriff «für die unverkennbare Tendenz hin zu Glanz, Entertainment und Eleganz, die sich in der aktuellen Auswahl» spiegele.
Zu erwarten seien «geschmeidige, ästhetisch reiche, poetisch-sinnliche Theaterabende». Das Festival steht unter dem Motto «Unter Freunden». Erstmals werden in diesem Jahr einige Aufführungen mit englischen Übertiteln ausgestattet. Man habe in den letzten Jahren beobachtet, dass das Theatertreffen zunehmend auch zu einem bedeutenden Anlaufpunkt des internationalen Theaters geworden sei, erklärt Joachim Sartorius, der Intendant der veranstaltenden Berliner Festspiele.
Auch in diesem Jahr werden drei Preise verliehen. Bereits bekannt ist, dass Ulrich Matthes am 6. Mai den Theaterpreis Berlin erhalten wird. Am Ende des Theatertreffens werden der mit 5.000 Euro dotierte Alfred-Kerr-Darstellerpreis an einen Nachwuchsschauspieler und der mit 10.000 Euro dotierte 3sat-Preis für eine besonders zukunftsweisende Leistung vergeben. 3sat und der Theaterkanal werden drei der zehn Inszenierungen in voller Länge übertragen.(Holger Mehlig, AP)