netzeitung.deBerlin zahlt für sein Stadtschloss

 Herausgeber: netzeitung.de

Bisher existiert das Schloss nur als Modell (Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH)

Lupe Bisher existiert das Schloss nur als Modell
Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH

Nachdem nun die Finanzierung geklärt ist, soll schon bald mit dem Bau begonnen werden: Auf dem Berliner Schlossplatz wird von 2010 an das einstige Berliner Stadtschlosses teilweise wieder errichtet.

Berlin wird sich an den Baukosten für die Wiederbebauung seines ehemaligen Schlossgeländes beteiligen. «Ich bin froh, dass das Land Berlin seinen finanziellen Beitrag leisten wird», sagte Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee am Montag.

Das Land werde im so genannten Humboldt-Forum eine Fläche von rund 5000 Quadratmetern nutzen und dafür 32 Millionen Euro zahlen, kündigte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit an. «Das, was wir selber nutzen, werden wir auch selbst bezahlen.»
1950 gesprengt
Momentan stehen auf dem Areal gegenüber der Museumsinsel in Berlin-Mitte noch die Überreste des Palastes der Republik, in dem unter anderem die DDR-Volkskammer tagte. Er wird zurzeit abgerissen. Der Neubau in den Umrissen des 1950 an dieser Stelle gesprengten Stadtschlosses soll insbesondere der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zur Verfügung gestellt werden. Sie will im Humboldt-Forum ihre außereuropäischen Sammlungen zeigen, die bisher im Stadtteil Dahlem untergebracht sind.

Noch unklar ist, ob im Berliner Teil des Humboldt-Forums die Zentral- und Landesbibliothek oder die wissenschaftlichen Sammlungen der Humboldt-Universität einziehen sollen. Das Land werde dies in den kommenden drei Monaten entscheiden, kündigte Wowereit an.
Bereits 80 Millionen Euro gesammelt
Ursprünglich wollte das Land mehr als 12.000 Quadratmeter nutzen und beide Einrichtungen in dem Nachfolgebau des Berliner Stadtschlosses und des Palastes der Republik unterbringen. Dies lasse die finanzielle Situation des Landes jedoch nicht zu, betonte Wowereit. «Wir haben noch andere Baustellen in dieser Stadt.» Auch ein Hotel inklusive Tiefgarage ist nicht mehr in den Planungen enthalten. Insgesamt werden für den 50.000 Quadratmeter großen Neubau 480 Millionen Euro veranschlagt.

Ein privater Förderverein hatte bereits 80 Millionen Euro für die Wiedererrichtung der historischen Schlossfassade in Aussicht gestellt. «Auf diese Zusage baue ich», sagte Tiefensee. Der Minister rechnet mit einem Baubeginn im Jahr 2010. 2013 soll das Humboldt-Forum dann geöffnet werden.

Kabinett entscheidet im Mai
Das Bundeskabinett werde im Mai über Planung und Finanzierung entscheiden, kündigte der Minister an. Im Spätsommer solle dann ein internationaler Architektenwettbewerb ausgeschrieben werden. Neben funktionalen Aspekten komme es dabei insbesondere darauf an, Geschichte architektonisch erlebbar zu machen, erklärte Tiefensee. «Wir bauen nicht nur irgendeine Fassade auf, irgendein Schloss. Das Humboldt-Forum soll auch ablesbar machen, dass es hier im Laufe der Zeit einen Wechsel in der Geschichte gegeben hat.»

Für die Zeit zwischen dem Abriss des Palastes der Republik und der Errichtung des Humboldt-Forums soll auf dem Gelände die «Humboldt-Box» als Informationspavillon errichtet werden. Auch eine Zwischennutzung durch eine Kunsthalle ist weiterhin im Gespräch. «Ich habe ein großes Interesse daran, dass an dieser Stelle eine temporäre Kunsthalle gebaut wird», sagte Wowereit. Man müsse allerdings prüfen, ob die Konzepte trotz der relativ begrenzten Zeit bis zum Baubeginn zu realisieren seien, sagte der Regierende Bürgermeister. Momentan liegen zwei Entwürfe für eine Kunsthalle vor. Anfangs war lediglich eine Grünfläche geplant. (AP)