netzeitung.deHistoriker kritisiert Museen wegen NS-Raubkunst

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Julius Schoeps (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Julius Schoeps
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Historiker Julius H. Schoeps hat die Museen zur Wahrnehmung ihrer Verantwortung ermahnt. Sie müssten nach eventuellen Erben von NS-Raubkunst fahnden.

In der Debatte um die NS-Raubkunst hat der Potsdamer Historiker Julius H. Schoeps die Museen zur Wahrnehmung ihrer Verantwortung ermahnt. «Jeder Museumsdirektor weiß, welche Leichen er im Keller hat, die Einrichtungen müssen aber endlich Taten folgen lassen und nach den eventuellen Erben fahnden», forderte der Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien am Mittwoch in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Wichtig sei aber zugleich, dass die Museen finanzielle Unterstützung erhalten, um auf Rückgabeforderungen reagieren zu können. Mit dem Thema «Raubkunst und Restitution» befasst sich vom 22. bis zum 24. April eine internationale Konferenz mit rund 260 Teilnehmern in Potsdam.

Plädoyer für einen «Rückkauffonds»
«Wir wollen zur Klärung offener Fragen beitragen und Vorschläge unterbreiten, wie künftig mit dem Problem umgegangen werden soll», sagte Schoeps. Er plädierte unter anderem für einen «Rückkauffonds», mit dessen Hilfe Museen die von Erben der einstigen Eigentümer geforderten Kunstwerke in ihrem Bestand halten können. «Denkbar sind beispielsweise zinslose Darlehen von privaten Kunstmäzenen oder Stiftern.»

Ein «Feuerwehrfonds» auf Bundesebene sei möglich, aber mit all zu viel Bürokratie verbunden. «Ein schnelles Reagieren wäre da nicht möglich», sagte Schoeps, der selbst in einer jüdischen Erbengemeinschaft um die Rückgabe von Kunstwerken kämpft.

Schoeps kritisierte, dass die Debatte um die NS-Raubkunst «schrille Töne» angenommen habe. So sei Erben Geldgier vorgeworfen worden. «Dabei geht es um Eigentumsansprüche.»

«Man kann die Erben nicht dafür bestrafen, dass ihre Vorfahren einen guten Geschmack hatten und in der NS-Zeit um ihr Eigentum gebracht wurden.» Schoeps lehnt es derzeit ab, dass eine Frist für die Anträge auf Restitution gesetzt wird. Bevor über Fristen gesprochen werde, müsse es überhaupt erst einmal eine ordentliche Provenienzforschung geben, «dann können wir weiter sehen».

Zugleich erteilte der Historiker einer zentralen Stelle, die sich mit dieser Forschung nach der Herkunft von Kunstwerken befasst, eine Absage. «Das muss jedes Museum selbst vorantreiben, denn jeder Fall liegt anders.»

Museen aus der Verantwortung gestohlen
Nach Meinung von Schoeps haben sich die Museen in Deutschland jahrzehntelang mit Verweis auf zu wenig Personal und geringe Geldmittel aus der Verantwortung für die Raubkunst gestohlen. «Aus meiner Sicht fehlte auch das Interesse der Museen.»

Mit der Washingtoner Konferenz von 1998 sei die Diskussion endlich in Gang gekommen. Damals hatte Bundesregierung ihre Bereitschaft erklärt, nach weiterem verschlepptem Kulturgut zu suchen und «eine gerechte und faire Lösung zu finden». Nach Ansicht von Schoeps liegt allerdings der Verdacht nahe, dass seither darauf spekuliert werde, dass es irgendwann keine Erben mehr gebe. «Wir müssen nun endlich und möglichst schnell praktikable Lösungen dafür finden, das Eigentumsprinzip der Erben einerseits und das nationale Kulturinteresse andererseits in Einklang zu bringen.» (dpa)