Historiker kritisiert Museen wegen NS-Raubkunst
Wichtig sei aber zugleich, dass die Museen finanzielle Unterstützung erhalten, um auf Rückgabeforderungen reagieren zu können. Mit dem Thema «Raubkunst und Restitution» befasst sich vom 22. bis zum 24. April eine internationale Konferenz mit rund 260 Teilnehmern in Potsdam.
Ein «Feuerwehrfonds» auf Bundesebene sei möglich, aber mit all zu viel Bürokratie verbunden. «Ein schnelles Reagieren wäre da nicht möglich», sagte Schoeps, der selbst in einer jüdischen Erbengemeinschaft um die Rückgabe von Kunstwerken kämpft.
Schoeps kritisierte, dass die Debatte um die NS-Raubkunst «schrille Töne» angenommen habe. So sei Erben Geldgier vorgeworfen worden. «Dabei geht es um Eigentumsansprüche.»
«Man kann die Erben nicht dafür bestrafen, dass ihre Vorfahren einen guten Geschmack hatten und in der NS-Zeit um ihr Eigentum gebracht wurden.» Schoeps lehnt es derzeit ab, dass eine Frist für die Anträge auf Restitution gesetzt wird. Bevor über Fristen gesprochen werde, müsse es überhaupt erst einmal eine ordentliche Provenienzforschung geben, «dann können wir weiter sehen».
Zugleich erteilte der Historiker einer zentralen Stelle, die sich mit dieser Forschung nach der Herkunft von Kunstwerken befasst, eine Absage. «Das muss jedes Museum selbst vorantreiben, denn jeder Fall liegt anders.»
Mit der Washingtoner Konferenz von 1998 sei die Diskussion endlich in Gang gekommen. Damals hatte Bundesregierung ihre Bereitschaft erklärt, nach weiterem verschlepptem Kulturgut zu suchen und «eine gerechte und faire Lösung zu finden». Nach Ansicht von Schoeps liegt allerdings der Verdacht nahe, dass seither darauf spekuliert werde, dass es irgendwann keine Erben mehr gebe. «Wir müssen nun endlich und möglichst schnell praktikable Lösungen dafür finden, das Eigentumsprinzip der Erben einerseits und das nationale Kulturinteresse andererseits in Einklang zu bringen.» (dpa)

