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Kritische Worte zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse

21. Mrz 2007 19:21
Auf der Leipziger Buchmesse
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Die Leipziger Buchmesse ist eröffnet, der Buchpreis vergeben. Und die Zukunft liegt übrigens im Netz.

Die Leipziger Buchmesse hat am Mittwoch mit einer Rekordbeteiligung und verhaltenem Optimismus der Buchbranche begonnen. Nach einer Studie des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels gehen gut 25 Prozent der Buchhändler von einer guten bis sehr guten Umsatzentwicklung im ersten Halbjahr aus, etwa die Hälfte rechnet mit durchschnittlichen Umsätzen, sagte Vorsteher Gottfried Honnefelder. Eröffnet wurde die Messe am Abend mit einem Festakt im Gewandhaus, bei dem der deutsche Publizist Gerd Koenen und der russische Philosoph Michail Ryklin den mit insgesamt 15.000 Euro dotierten Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung erhielten.

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In ihren Dankesreden übten Koenen und Ryklin scharfe Kritik an den Verhältnissen in Russland. «Es ist kein Land, in dem Gesetze eingehalten werden und ein Dialog zwischen Bürgern und Staatsmacht möglich ist», sagte Ryklin. Bei der europäischen Verständigung komme es nicht nur auf Intellektuelle, sondern auch auf Politiker an. Außerdem forderte er Unterstützung beim Aufbau wirklicher Demokratie.

Kritik übten er und Koenen am Verhalten europäischer Politiker, wenn Wirtschaftsinteressen mit langfristigen Grundsätzen in Widerspruch geraten. «Zu vieles wurde unter vier Augen abgesprochen, zu oft sind Politiker wie Privatpersonen aufgetreten», sagte Ryklin mit Verweis auf Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Koenen bezeichnete das Großmachtstreben Russlands, das ledigleich ein Bruttosozialprodukt in der Höhe Italiens habe, als unangemessen. «Es müsste seine reichen menschlichen Potenziale und natürlichen Ressourcen in eine breiter angelegte, selbst tragende zivile Entwicklung stecken, um wirkliche Stabilität zu gewinnen.» Statt dessen investiere es in überdimensionierte Machtapparate. Er erinnerte an die 2006 ermordete Journalistin Anna Politkowskaja, die die «großartige Fähigkeit» besessen habe, die Perspektive der Anderen, zu Feinden Erklärten oder mundtot Gemachten einzunehmen.

Der Preis für Europäische Verständigung wird seit 1994 von der Stadt Leipzig, dem Freistaat Sachsen und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben. Geehrt werden damit Persönlichkeiten, die sich um die Verständigung in Europa verdient gemacht haben. Koenen wurde für sein Buch «Der Russland-Komplex» (C.H.Beck), Ryklin wurde für seinen Essay «Mit dem Recht des Stärkeren» (edition suhrkamp) ausgezeichnet. Die Laudatio hielt die Moskauer FAZ-Kulturkorrespondentin Kerstin Holm.

Börsenvereins-Chef Honnefelder hatte zuvor für die Verknüpfung der Buchbranche mit der digitalen Welt geworben. «Eines ist klar: die Zukunft liegt im Netz», sagte er. Bücher würden zunehmend auch digital nutzbar, eine eigene Datenbank und deren Suchmaschine seien im Aufbau. Diese «Volltextsuche online», in die derzeit Texte eingegeben werden, bilde eine solide Basis für alle weiteren digitalen Entwicklungen in Verlag und Buchhandel.

Von Donnerstag bis Sonntag präsentieren 2348 Verlage und Editionen aus 36 Ländern in Leipzig ihre Frühjahrsprogramme. Damit ist die Buchmesse erneut gewachsen. Das begleitende Literaturfest «Leipzig liest» bietet 1900 Veranstaltungen mit 1500 Akteuren an 300 Spielstätten - so viele wie nie zuvor. Höhepunkt der Bücherschau ist die Vergabe des mit insgesamt 45.000 Euro dotierten Preises der Leipziger Buchmesse, für den 15 Schriftsteller, Sachbuchautoren und Übersetzer nominiert sind. Im Fokus des Programms stehen die junge Literatur und die frühkindliche Bildung. (dpa)

 
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