10.12.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Orhan Pamuk
Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH
Bei seiner Auszeichnung mit dem Literaturnobelpreis in Stockholm hat der türkische Schriftsteller Pamuk das Schreiben als Prozess «innerer Einkehr» bezeichnet. Mit seiner Darstellung in den Medien sei er unzufrieden, sagte er.
Als erster Schriftsteller aus der Türkei hat Orhan Pamuk am Sonntag in Stockholm den Literaturnobelpreis in Empfang genommen. Im Rahmen einer feierlichen Zeremonie überreichte Schwedens König Carl XVI. Gustaf die mit zehn Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotierte Auszeichnung. «Auf der Suche nach der melancholischen Seele seiner Heimatstadt Istanbul» habe Pamuk «neue Sinnbilder für Streit und Verflechtung der Kulturen gefunden», hieß es in der Begründung für die Auszeichnung.
Der Chef der Schwedischen Akademie, Horace Engdahl, sagte in seiner Laudatio an die Adresse Pamuks: «Sie haben Ihre Heimatstadt zu einem nicht mehr wegzudenkenden literarischen Territorium gemacht, vergleichbar Dostojewskis St. Petersburg, dem Dublin von Joyce oder Prousts Paris.» Der teilweise in Istanbul und teilweise in New York lebende Nobelpreisträger zeigte sich am Sonntag bester Laune: Zur Eröffnung der Zeremonie im Stockholmer Konzerthaus und im Beisein der kompletten schwedischen Königsfamilie zwinkerte der 54-jährige kräftig in die TV-Kameras.
«Zweite, verborgene Persönlichkeit»Bereits im Vorfeld der Preisvergabe hatte Pamuk angekündigt, sich nicht politisch, etwa über das Verhältnis zwischen dem Islam und dem Westen, sondern ausschließlich literarisch zu äußern. Daran hat er sich auch gehalten. Während der traditionellen «Nobelvorlesung» im alten Stockholmer Börsensaal nannte er den Prozess des Schreibens «innere Einkehr». Er sagte weiter: «Schriftsteller zu sein bedeutet für mich, dass man in sich selbst eine zweite, verborgene Persönlichkeit entdeckt und in jahrelanger geduldiger Mühe diese und ihr Umfeld sich herausschälen lässt.»
Die Rolle eines «Brückenbauers» zwischen Islam und westlicher Kultur wies Pamuk in Stockholm zurück. Bei einer Pressekonferenz sagte er: «Das ist ein Etikett, das mir Politiker und Medien verpasst haben. Ich mag es nicht.» 2005 war der britische Dramatiker Harold Pinter (76) und im Jahr davor die Österreicherin Elfriede Jelinek (60) mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet worden. (nz)