10.11.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Günter Grass
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Hochschule der israelischen Stadt Netanja hat ihr Angebot zurückgezogen, dem Schriftsteller Günter Grass die Ehrendoktorwürde zu verleihen. Grass antwortete mit einem offenen Brief.
Die israelische Zeitung «Haaretz» hat am Freitag einen offenen Brief von Günther Grass veröffentlicht. Darin bittet der Literaturnobelpreisträger darum, seine «Tätigkeit als Schriftsteller, Künstler und engagierter Bürger in meinem Land» zu berücksichtigen, wenn über seine Vergangenheit als junger Mann geurteilt werde.
Er fügte aber auch hinzu: «Ich muss akzeptieren, dass die SS für mich ein Kainsmal sein wird von nun an bis ans Ende meiner Tage.»
Damit reagierte Grass auf die Entscheidung der Hochschule der Stadt Netanja, ihm die Ehrendoktorwürde doch nicht mehr verleihen zu wollen.
Nur zwei Wochen vor der Enthüllung von Grass, bei Kriegsende Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein, hatte der Vizepräsident der Hochschule der israelischen Stadt Netanja, David Altman, mit dem Schriftsteller über Einzelheiten einer geplanten Verleihung der Ehrendoktorwürde gesprochen. Grass sprach nach Angaben Altmans damals offen über seine Vergangenheit in der Hitler-Jugend, gab aber keinerlei Hinweis zu seinem bevorstehenden Gang an die Öffentlichkeit.
Als Reaktion auf die Enthüllung schrieb die Hochschule Grass einen Brief. «Wir wollten wissen, warum er das getan hat und warum er es als Mann mit einem Gewissen so viele Jahre lang verborgen hat», sagte Altman. Das Angebot, dem Schriftsteller Günter Grass die Ehrendoktorwürde zu verleihen, wurde dann zurückgezogen. (nz)