Lebende Pferde auf Kölner Kunstmesse
01.11.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Nein, die zwölf Pferde in der extra großen Messekoje des Internationalen Kölner Kunstmarktes Art Cologne sind keine Augentäuschung: Die Vierbeiner im Dienst der Kunst stellen eine Arbeit des Wahlitalieners Jannis Kounellis dar, mit der der Prophet der Arte Povera 1969 erstmals die Kunstszene irritiert.
War damals die Installation «12 Lebende Pferde» als Kritik an der Kommerzialisierung der Künste gedacht, erinnern die Tiere in Köln mit Billigung des Veterinäramtes an die Zeit, in der auch am Rhein alles anfing. Zum 40. Kunstmarkt in Köln zeigen von diesem Mittwoch an 185 Galerien aus 28 Ländern ihre Angebote an Kunst von der Klassischen Moderne bis heute.
Für den neuen Frühjahrstermin liegen bereits interessante Galeristen-Bewerbungen vor, über eine Expansion nach Mallorca wird gemunkelt und in der stets konkurrierenden Kunststadt Düsseldorf zeichnet sich im Vorfeld einer erwarteten Marktbelebung ebenfalls eine neue Messe für junge Kunst ab: Seit Jahren wird während der Art Cologne, die mit ihrem 60-Millionen-Euro-Umsatz zu den globalen Schwergewichten gehört, auf der anderen Rheinseite Kölns zudem die Messe «art.fair» mit rund 70 Galerien als kleine Konkurrenz organisiert.
Auch bei der um etliche Galeristen verschlankten 40. Art Cologne bietet die Klassische Moderne die Höhepunkte: Ein mittelgroßes hervorragendes Picasso-Stillleben «Krug mit Kerze» (1945) ist für 2,3 Millionen Euro zu haben, Arbeiten von Max Ernst, Emil Nolde oder ein großformatiges Aquarell Paul Klees zieren die Stand-Wände.
In einer eigenen Koje musealer Qualität weist ein Galerist mit Zeichnungen und Skulpturen auf Norbert Kricke hin: Der 1984 gestorbene Künstler bleibt als Pionier abstrakter Bildhauerei noch zu entdecken - und derzeit noch erschwinglich. Junge Künstler setzen seit Jahren wieder auf Malerei, liefern gefällige, bunte Raumdeko genauso wie die klassischen Sujets vom verfremdeten Porträt bis zur Landschaftsmalerei, für die Herbert Brandls gewaltiges Bergmassiv aus schnellem, breiten Pinselstrich steht. (dpa)

