netzeitung.deLebende Pferde auf Kölner Kunstmesse

 Herausgeber: netzeitung.de

Art Cologne: Prominenter Kunstliebhaber vor Pferden (Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH)

Lupe Art Cologne: Prominenter Kunstliebhaber vor Pferden
Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mit einem Umsatz von etwa 60 Millionen Euro gehört die Art Cologne zu den wichtigsten Kunstmärkten der Welt. In Köln sind in diesem Jahr aber nicht nur Bilder und Skulpturen zu sehen - in einer Koje wird gewiehert.

Von Gerd Korinthenberg

Nein, die zwölf Pferde in der extra großen Messekoje des Internationalen Kölner Kunstmarktes Art Cologne sind keine Augentäuschung: Die Vierbeiner im Dienst der Kunst stellen eine Arbeit des Wahlitalieners Jannis Kounellis dar, mit der der Prophet der Arte Povera 1969 erstmals die Kunstszene irritiert.

War damals die Installation «12 Lebende Pferde» als Kritik an der Kommerzialisierung der Künste gedacht, erinnern die Tiere in Köln – mit Billigung des Veterinäramtes – an die Zeit, in der auch am Rhein alles anfing. Zum 40. Kunstmarkt in Köln zeigen von diesem Mittwoch an 185 Galerien aus 28 Ländern ihre Angebote an Kunst von der Klassischen Moderne bis heute.

Gerüchte über Expansion nach Mallorca
Bis zum 5. November erwarten die Organisatoren rund 70.000 Besucher auf diesem Parcours für Kulturbeflissene, der in diesem Jahr zum letzten Mal traditionell im Herbst ausgerichtet wird. Von 2007 beginnt er dann erstmals im Frühling (18. bis 22. April). Fast spürbar atmet die in die Jahre gekommene Kunstmesse, von der mancher Aussteller und Käufer zur Konkurrenz zwischen Basel, London und Berlin abgewandert ist, in diesem Jahr durch.

Für den neuen Frühjahrstermin liegen bereits interessante Galeristen-Bewerbungen vor, über eine Expansion nach Mallorca wird gemunkelt und in der stets konkurrierenden Kunststadt Düsseldorf zeichnet sich im Vorfeld einer erwarteten Marktbelebung ebenfalls eine neue Messe für junge Kunst ab: Seit Jahren wird während der Art Cologne, die mit ihrem 60-Millionen-Euro-Umsatz zu den globalen Schwergewichten gehört, auf der anderen Rheinseite Kölns zudem die Messe «art.fair» mit rund 70 Galerien als kleine Konkurrenz organisiert.

Höhepunkte durch die Klassische Moderne
In den beiden Messehallen der diesjährigen Art Cologne finden sich Millionen-Euro-Objekte von Picasso bis Andy Warhol ebenso wie wirkliche «Schnäppchen». Dies sind Werke arrivierter, am Markt unterbewerteter Künstler wie Paco Knöller mit seinen abstrakten Malereien (ab 6000 Euro). Hier liefert auch Klaus vom Bruch einen interessanten Beitrag zur sonst auf der Messe nahezu ganz verschwundenen Video-Kunst.

Auch bei der um etliche Galeristen verschlankten 40. Art Cologne bietet die Klassische Moderne die Höhepunkte: Ein mittelgroßes hervorragendes Picasso-Stillleben «Krug mit Kerze» (1945) ist für 2,3 Millionen Euro zu haben, Arbeiten von Max Ernst, Emil Nolde oder ein großformatiges Aquarell Paul Klees zieren die Stand-Wände.

Norbert Kricke noch zu entdecken
Emil Schumachers Abstraktionen oder Günther Ueckers Nagelreliefs, einmal gar im reizvollen Dialog mit einer afrikanischen Nagel-Kraftfigur (um 200.000 Euro), markieren die Nachkriegsmoderne. Malerstar Gerhard Richter gibt es zu Millionensummen oder mit übermalten Fotos auch im Taschenformat für 28.500 Euro.

In einer eigenen Koje musealer Qualität weist ein Galerist mit Zeichnungen und Skulpturen auf Norbert Kricke hin: Der 1984 gestorbene Künstler bleibt als Pionier abstrakter Bildhauerei noch zu entdecken - und derzeit noch erschwinglich. Junge Künstler setzen seit Jahren wieder auf Malerei, liefern gefällige, bunte Raumdeko genauso wie die klassischen Sujets vom verfremdeten Porträt bis zur Landschaftsmalerei, für die Herbert Brandls gewaltiges Bergmassiv aus schnellem, breiten Pinselstrich steht. (dpa)