26. Okt 2006 13:37
Der Regisseur der von der Deutschen Oper Berlin abgesetzten «Idomeneo»-Inszenierung war früher Messdiener. Doch noch als Kind ging Hans Neuenfels auf Distanz zur Religion - und handelte sich Ärger ein.
«Erst war ich Messdiener, dann Obermessdiener. Trotz meiner großen Frömmigkeit zettelte ich schon als kleiner Junge Auseinandersetzungen mit Lehrern über Dinge an, die mich irritierten: über den Leib Christi, über den Übergang vom Diesseits ins Jenseits und so weiter», sagte der 65-Jährige. «Meine kindliche Direktheit brachte die Lehrer damals ziemlich in Verlegenheit. Das ließ mich immer mehr vom Glauben abrücken.» Er habe sich dann als Messdiener «ein bisschen unmöglich» benommen: Er «benutzte Weihwasser, mit dem neue Autos gesegnet werden sollten, um Mädchen nass zu spritzen, und wurde des Messdieneramtes enthoben». Für ihn sei damit «Schluss mit der großen Autorität der Religion» gewesen.
Vor einem Jahr habe er nur knapp überlebt, «als der Tod während der Proben zu 'Schumann, Schubert und der Schnee' an meine Tür klopfte. Thrombose im rechten Bein, dann Lungenembolie, Lungen- und Rippenfellentzündung». Seit diesem Nahtoderlebnis «kenne ich den Zustand des Glücks nicht mehr ohne den Spiegel der Angst», sagte Neuenfels. (nz)