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Buchbranche will es mit Google aufnehmen

04. Okt 2006 14:27
Deutsche Bücher - bald nicht mehr nur im Regal
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Google hat es vorgemacht. Nun will auch die deutsche Buchbranche auf einer eigenen Plattform digitalisierte Bücher anbieten. Man hofft, so dem Schicksal der Musikindustrie zu entgehen.

Von Thomas Maier

Wer Kostproben von neuen Romanen oder auch ganze Bände im Internet lesen und hören möchte, den lässt die Buchbranche künftig nicht mehr allein. Auf einer neuen Plattform will der Börsenverein des Deutschen Buchhandels vom 1. Februar 2007 möglichst viele deutschsprachige Titel anbieten.

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Verlage und Autoren sollen selbst entscheiden, in welchem Umfang sie ihre Inhalte kostenlos oder gegen Entgelt zur Verfügung stellen. Mit der am Mittwoch auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellten «Volltextsuche Online» (VTO) will die Branche als «Schrittmacher» in Europa auch der Herausforderung durch Google begegnen, das weltweit ohne Erlaubnis zumindest Teile von Büchern ins Internet stellen will. Das hat dem international führenden Suchmaschinenbetreiber neben dem Zorn von Verlagen und Bibliotheken auch erste Prozesse eingebracht.

70 Verlage im Boot

Der Börsenverein spricht von einem «Überlebensthema» für die Branche, um das geistige Eigentum an Büchern zu sichern. «Wir wollen nicht in Konkurrenz zu Google treten», betonte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Alexander Skipis. Die Branche verhandle vielmehr mit Google derzeit über eine Kooperation.

Derzeit wollen rund 70 Verlage beim Online-Projekt mitmachen, rund 10.000 Titel sind momentan erfasst. Miteingebunden werden soll auch der Buchhandel. Der Börsenverein als Dachverband von Verlegern und Handel hofft auch, die Verlage ins Boot zu kriegen, die derzeit bereits im Internet ihre eigenen Geschäftsmodelle erproben. Die neue Online-Plattform habe weltweit eine viel «höhere Visibilität» als die Internetangebote der einzelnen Verlage, wirbt Skipis für die neue VTO. «Wenn wir mit 10.000 Titel nach einem Jahr herumdümpeln, dann haben wir das Thema vergeigt.»

Schicksal der Buchbranche vermeiden

Google wiederum soll der Buchbranche helfen, bei der Suche nach «Ergebnistreffern» die VTO prominent zu platzieren, damit man mit möglichst wenigen Klicks zur Branchenplattform kommt, wenn man zum Beispiel nach Frank Schätzings «Schwarm» sucht. Skipis will jedoch auch Zehntausende von rechtefreien Titeln online verfügbar machen. Die «Volltextsuche» des Börsenvereins könne langfristig zu einem «Baustein für eine Europäische Bibliothek» werden.

Das Thema Digitalisierung von Büchern beschäftigt die diesjährige Buchmesse stärker denn je. Das elektronische Publizieren im Internet – gegen entsprechendes Entgelt – ist gerade bei Fachverlagen inzwischen oft wichtiger geworden als der Verkauf von Büchern.

Mit der neuen Plattform hofft die Buchbranche, dem Schicksal der Musikindustrie zu entgehen. Diese musste in den vergangenen Jahren massive Umsatzeinbußen hinnehmen, weil sie sich im Kampf gegen Internet-Piraterie und Online-Börsen verzettelte, wie Skipis meinte. Die neue Initiative hätte man sich durchaus «früher» vorstellen können, räumte der Vorsteher des Dachverbands, der Verleger Gottfried Honnefelder, ein. Er tröstete sich mit einem Bonmot aus Schillers «Wallenstein»: «Spät kommt ihr, aber ihr kommt.» (dpa)

 
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