Hirsi Ali warnte vor einer «Appeasementpolitik nach dem Motto «wenn wir nachgeben, werden sie uns schon in Ruhe lassen». Das sei naiv und gefährlich. So würden nur neue Forderungen und letztlich die Aufgabe aller Werte provoziert. «Je mehr wir wegsehen, desto einfacher werden es die Islamo-Faschisten haben, um die Köpfe der Jugend zu vergiften.» Dem müsse der Westen seine Vernunft entgegensetzen. Vor einem Dialog der Kulturen bedürfe der Islam einer Reformation, wie sie der Westen schmerzlich erfahren habe.
Das «Glas der Vernunft» ist ein Kasseler Bürgerpreis, der seit 1991 vergeben wird. Die Kosten einschließlich der Dotierung von 10.000 Euro werden durch Spenden finanziert. Hirsi Ali erhielt den Preis wegen ihres «mutigen und unerschrockenen Einsatzes für die Universalität der Menschenrechte und die Selbstverantwortung des Individuums».
Die Preisverleihung fand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Die 1992 in die Niederlande geflohene und inzwischen in die USA emigrierte Autorin und Politikerin gilt als eine der schärfsten Kritikerinnen des Islam. Weltweit bekannt wurde sie, als nach dem Mord an dem islamkritischen Filmemacher Theo van Gogh im November 2004 eine Morddrohung an Hirsi Ali mit einem Messer in der Brust van Goghs steckte. Sie hatte mit ihm das Drehbuch zum islamkritischen Film «Submission» erarbeitet. (nz)