16. Aug 2006 11:48
Michael Jürgs hält seine Biografie über Günter Grass angesichts des SS-Geständnisses des Schriftstellers für überarbeitungsbedürftig. Kritisch äußerte er sich über diejenigen, die nach Grass' Bekenntnis «nun herumfuchteln».
Jürgs bekräftigte seine Enttäuschung über das späte Geständnis des Autors: «Grass, den ich als bedeutende Figur und moralische Größe akzeptiert habe, hat mich enttäuscht», sagte er. Darüber hinaus beschäftige ihn «die Wirkung, die er [Grass] mit dieser Erklärung hat, sie ist schlimm genug», fügte der Biograf hinzu.Zugleich warnte Jürgs vor Kritik an Grass aus der falschen Richtung. «Aber ich verteidige ihn [Grass] sofort gegen all die Konservativen, die nun herumfuchteln», sagte er. Und: «Kümmert Euch um Euere faschistische Vergangenheit in CDU/CSU, und zwar - you named it, we got it - dass es nur so rauscht.»
Grass spätes Bekenntnis wird seit Tagen in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Die von manchen Kritikern geforderte Aberkennung des Nobelpreises hatte die schwedische Nobelstiftung am Dienstag jedoch ausgeschlossen. Die Kritiker werfen Grass unter anderem vor, er hätte seine Waffen-SS-Mitgliedschaft schon viel früher öffentlich machen müssen, er sei des Nobelpreises nicht mehr würdig oder habe mit seinem Schweigen selbst seine moralische Integrität untergraben. (nz)