14. Aug 2006 12:59
Die Kritik aus Polen gegen die Vertriebenen-Ausstellung in Berlin führt zu ersten Konsequenzen: Polnische Leihgeber wollen ihre Exponate wieder zurück.
Die Stiftung «Zentrum gegen Vertreibungen» hatte die umstrittene Dokumentation am Donnerstag im Berliner Kronprinzenpalais eröffnet. Bei Polens Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski war dies auf scharfe Kritik gestoßen. Sein Amtsvorgänger, der jetzige Warschauer Bürgermeister Kazimierz Marcinkiewicz, hatte seinen für Freitag in Berlin geplanten Besuch deshalb kurzfristig abgesagt. Vorsitzende der Stiftung ist die CDU-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach,Zu den mindestens acht polnischen Leihgebern zählen unter anderem das Warschauer Stadtmuseum, das «Institut des nationalen Gedächtnisses» und die Küstenwache, die mit der Schiffsglocke des Anfang 1945 untergegangenen Flüchtlingsschiffs «Wilhelm Gustloff» auch das größte der insgesamt knapp 300 Objekte zur Verfügung gestellt hat.
Die Dokumentation listet neun Fallbeispiele für Vertreibungskonflikte auf, vom Völkermord an den Armeniern 1915/16 bis hin zu den «ethnischen Säuberungen» im Jugoslawienkrieg der 90er Jahre. Daneben behandelt sie unter anderem die Vertreibung von Polen durch NS-Deutschland und die Sowjetunion sowie die der Deutschen nach 1945 aus Polen und der Tschechoslowakei.
Mit der Ausstellung will die im Jahr 2000 gegründete umstrittene Stiftung für ein ständiges «Zentrum gegen Vertreibungen» in Berlin als «Ort der Mahnung» werben. Das Projekt trifft in Polen, aber auch in Deutschland seit Jahren zum Teil auf entschiedene Ablehnung. Hintergrund ist vor allem die Sorge, dass darin die deutschen Vertriebenen als die eigentlichen Opfer des Zweiten Weltkrieges dargestellt werden. Hinzu kommen die Pläne führender Vertriebenenfunktionäre, demnächst Rückforderungsansprüche an Polen zu stellen. (nz/epd)