07.08.2006
Herausgeber: netzeitung.de
'Kopf eines Mannes'
Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH
In Australien wird darüber gestritten, ob das Bild «Kopf eines Mannes» tatsächlich Vincent Van Gogh gemalt hat. Experten sagen, es handele sich um eine Fälschung.
Ein Gemälde Vincent Van Goghs, das in Australien mehr als 65 Jahre lang von Millionen von Kunstfreunden betrachtet wurde, ist nach Ansicht britischer Experten eine Fälschung. Untersuchungen von Sachverständigen der Organisation Art Watch UK ergaben, dass das Bild «Kopf eines Mannes» zahlreiche Hinweise berge, dass es sich um ein übermaltes Werk handele. Dieses sehe Gemälden des Niederländers nur ähnlich, heißt es in einem Bericht des australischen Rundfunksenders ABC am Montag.
Das Gemälde hängt normalerweise in der Nationalgalerie des südaustralischen Bundesstaates Victoria in Melbourne. Derzeit ist es als Leihgabe in einer Ausstellung in Edinburgh zu sehen.
«Nicht überzeugend»Die britische Organisation ArtWatch UK will mehrere Hinweise auf eine Fälschung entdeckt haben. Ihr Leiter Michael Daley sagte: «Es hat alle Kennzeichen eines Bildes, das nachbereitet wurde, um es einem Van Gogh ähneln zu lassen.» Zuvor hatten auch schon andere Experten in der britischen Sonntagszeitung «Sunday Times» Zweifel angemeldet. Der Van-Gogh-Biograph Tim Hilton sagte: «Das Bild ist nicht überzeugend für einen Van Gogh dieser Zeit. Aber wer immer es gemalt hat, war jemand mit Talent.»
Als Hinweise auf eine Fälschung wird unter anderem gewertet, dass das Bild heller und ausgearbeiteter ist als andere Van Goghs, die zu dieser Zeit entstanden, und ein anderes Format (33x40 Zentimeter) habe als die sonstigen Porträts des niederländischen Malers. Nach Angaben der «Sunday Times» sind einige Experten der Meinung, dass es unten abgeschnitten wurde, um die ursprüngliche Signatur zu entfernen. Außerdem werde «Kopf eines Mannes» in keinem einzigen Brief Van Goghs (1853-1890) erwähnt.
Museumsdirektor widersprichtDer Direktor der National Gallery of Victoria, Gerard Vaughan, geht trotzdem weiterhin von der Echtheit des Bildes aus. «Wenn es ein falscher Van Gogh ist - was ich bestreite, was aber behauptet wird - verliert dieses Stück Leinwand all seinen Wert», sagte Vaughan dem Sender ABC. «Letztlich muss man aber seiner eigenen Kenntnis vertrauen und seiner Fähigkeit zum Urteil über die Qualität eines Gemäldes.»
Das Bild, das in den 1920-er Jahren in einer Galerie in Köln hing, gehört dem australischen Museum seit mehr als sechs Jahrzehnten. Derzeit befindet es sich als Leihgabe für die Ausstellung «Van Gogh and Britain: Pioneer Collectors » im schottischen Kunstmuseum Dean Gallery in Edinburgh. (nz)