netzeitung.deDie Götter sind da: «Rheingold» in Bayreuth

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Die Rheintöchter Wellgunde (Ulrike Helzel), Woglinde (Fionnuala McCarthy) und Flosshilde (Marina Prudenskaja) (Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH)

Lupe Die Rheintöchter Wellgunde (Ulrike Helzel), Woglinde (Fionnuala McCarthy) und Flosshilde (Marina Prudenskaja)
Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH

Zum Auftakt von Wagners «Ring» hat in Bayreuth «Rheingold» Premiere gefeiert. Die neue Inszenierung von Tankred Dorst stieß auf Kritik, während Dirigent Christian Thielemann und das Orchester umjubelt wurden.

Von Stephan Maurer

Die Götter sind mitten unter uns - so lautet die Botschaft, die der Dramatiker Tankred Dorst in seiner Neuinszenierung von «Der Ring des Nibelungen» bei den Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth transportieren will.

Der Mythos lebt, könnte man auch sagen; die Götter sind da, sie hausen in den Nischen und Winkeln unserer Welt, doch wir sehen sie nicht. In aufwändigen Bildern hat Dorst seine Interpretation im ersten «Ring»-Abend, dem «Rheingold», umgesetzt.

Bei der Premiere am Mittwoch feierte das Publikum eine Aufführung auf gutem Festspielniveau, zu der das homogene Sängerensemble ebenso beitrug wie die klangschöne, transparente musikalische Darbietung des Orchesters, für die Dirigent Christian Thielemann Ovationen erntete.

Dorsts «Ring» war mit großer Spannung erwartet worden. In zahlreichen Interviews und sogar in einem Buch hat der 80-Jährige, der das erste Mal überhaupt eine Oper inszeniert, seine Sicht auf Wagners Welt bereits deutlich gemacht. Nun aber muss sich das Konzept, für das nach der überraschenden Absage des Filmemachers Lars von Trier nur zwei Jahre Vorbereitungszeit blieben, auf der Bühne bewähren.

In den ersten zweieinhalb von rund 16 Stunden Bühnenhandlung ist eine durchaus schlüssige Interpretation entstanden. Dorst und seine Partnerin Ursula Ehler präsentieren «Rheingold» als ein modernes Weltmärchen, angesiedelt an Schauplätzen der Gegenwart.

Nach dem von Thielemann genüsslich ausgekosteten Orchestervorspiel zeigt sich der Rhein als breit daher fließender Strom, auf dessen Grund große runde Kieselsteine liegen. Alberich umarmt den Stein, als liebkose er eine Frau, denn die Rheintöchter - Projektionen nackter, durchs Wasser gleitender Nixen - bleiben für ihn unerreichbar.

Götter in trostloser Gegend
Nach diesem schwelgerischen Bild führen Dorst und sein Bühnenbildner Frank Philipp Schlößmann den Zuschauer in die Götterburg Walhall, einen verwahrlosten Platz in trostloser Gegend, wo die Götter, in weiße Mäntel und Brustpanzer gehüllt (Kostüme: Bernd Skodzig), als Randexistenzen hausen.

Dagegen regiert Alberich, der echsenhafte Nibelungenherrscher, zunächst in einem Kraftwerk mit Leitungsrohren und Lüftungsschächten - doch als die Wand aufreißt, tut sich dahinter eine urtümliche Höhle auf. Solche beeindruckenden Szenen sind die Stärke der Inszenierung.

Als gravierender Nachteil wirkt sich dagegen die mangelnde Regieerfahrung des Schriftstellers Dorst aus. Die Darsteller wirken kaum geführt und oft allein gelassen, agieren eckig und hölzern. Die einzelnen Figuren gewinnen kaum Profil. Mancher theatralische Effekt, etwa der Auftritt der Riesen, wird glatt verschenkt. Wett gemacht wird dieses Manko aber durch die musikalischen Leistungen.

Zurückhaltendes Vorspiel
Präzise fächert Christian Thielemann die Leitmotive auf, verzichtet auf die ganz großen Klangeruptionen und setzt das Orchester lieber einfühlsam in unmittelbare Beziehung zu den Sängern. Hier muss niemand gegen den Sound aus dem Graben anschreien.

Als souveräner, wenn auch etwas leichtgewichtiger Wotan kann daher Falk Struckmann ebenso glänzen wie Bayreuth-Debütant Andrew Shore als dunkler, machtgetriebener Alberich, der seinen Bruder Mime (Gerhard Siegel) schikaniert. Arnold Bezuyen gibt mit beweglichem Tenor einen vorzüglichen Loge.

Mit großer Ausstrahlung absolviert Mihoko Fujimora ihren Kurzauftritt als Erda. Komplettiert wird die Götterwelt mit Michelle Breedt (Fricka), Satu Vihavainen (Freia), Ralf Lukas (Donner) und Clemens Bieber (Froh). Den Macht verheißenden Ring aber hütet nun der Riese Fafner (Jyrki Korhonen), der seinen Bruder Fasolt (Kwangchul Youn) erschlug. Vergeblich bitten die Rheintöchter (Fionnuala McCarthy, Ulrike Helzel und Marina Prudenskaja) aus der Tiefe, ihnen das Gold zurückzugeben. (dpa)