Dorst ist gegen grobe Aktualisierungen
25.07.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Tankred Dorst
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die fernen Götter sind immer noch präsent - und sei es unter Autobahnbrücken. Tankred Dorst äußert sich vor der Premiere seines Rings in Bayreuth über sein Verhältnis zu Wagner.
Noch vor der Premiere seiner «Ring»-Inszenierung am Bayreuther Festspielhaus am Mittwoch hat der Dramatiker Tankred Dorst Einblick in seine Arbeit gegeben. «Das Weltmärchen sollte ohne groben Verweis auf moderne Aktualitäten erzählt werden», schreibt der 80-Jährige in seinem Buch «Die Fußspur der Götter - Auf der Suche nach Wagners Ring», das zeitgleich zur Aufführung bei den Richard-Wagner-Festspielen erscheint. «Die Götter und Halbgötter sollten fremd, fern und mächtig bleiben.»
Mit der Premiere von «Rheingold» kommt am Mittwoch der erste Teil von Dorsts Regiedebüt auf die Bühne. Bis zum 31. Juli schließen sich die weiteren «Ring»-Teile «Walküre», «Siegfried» und «Götterdämmerung» an.
Als zentrales Thema der Tetralogie sieht Dorst den Tod. «Der Tod ist in diesem Werk allgegenwärtig, ich spüre ihn immer wieder auf», schreibt er in dem Buch, das in zahlreichen Abbildungen die Annäherung des Regisseurs an das gewaltigste Werk der Operngeschichte dokumentiert.
Dorst hat das Geschehen, wie von Wagner vorgesehen, in die Natur verlegt. «Die Natur ist aber die unserer heutigen Zeit, nicht mehr unberührt, manchmal verwüstet oder doch gezeichnet von den Spuren der modernen Zivilisation». Als Beispiele nennt Dorst «ein Autowrack auf dem Grund des Rheins» oder «Überreste eines Open-Air-Spektakels auf der verlassenen Waldbühne». (nz)