Wenn Villazón etwa im bittersüßen Bolero «Júrame» mit makelloser Stimme das rollende R als Signal enttäuschter Liebe einsetzt, braucht Domingo nur zu hauchen oder die Stimme zu dämpfen, und jeder in der Arena versteht sofort: Hier geht es um Alles - etwa in der Arie «Au fond du temple saint« aus Bizets «Perlenfischer». Domingo überließ hier dem Jüngeren die hohen Lagen, begnügte sich mit dem tiefen Bariton im Hintergrund. Der Mentor, der Villazón 1999 entdeckt hatte, zeigte wahre Größe.Und dazwischen immer wieder Anna Netrebko. Wechselweise in lila- glitzernder oder rot-schimmernder Abendrobe und einem dicken Perlencollier um den Hals gab die Russin mit ihrem dunklen Sopran den eher keuschen Kontrapunkt zu den schwärmenden Latino-Tenören. In Lehárs Arie «Meine Lippen, sie küssen so heiß» kommen die Sopranistin und das Orchester der Deutschen Oper Berlin (Leitung: Marco Armiliato) allerdings nur langsam in Walzer-Schwung.
Als Netrebko und Villazón dann zusammen den Opern-Evergreen «O soave fanciulla» aus der «Bohème» einstimmten, steigerten sich die Zuhörer zum frenetischen Applaus. In der Dunkelheit schienen die Batterie betriebenen Leuchtkerzen, die ein Mobilfunkanbieter als Konzertsponsor am Eingang hatte verteilen lassen. (dpa)