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Frenetischer Jubel für Klassik-Superstars

08. Jul 2006 15:29
Domingo, Netrebko und Villazón
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Zum ersten Mal sind drei der bekanntesten Opernsänger der Gegenwart gemeinsam aufgetreten. Beim «Gipfel der Klassik» von Netrebko, Domingo und Villazón in Berlin gab es heiße Szenen für zehntausende Zuschauer.

Von Esteban Engel

Am Ende schloss Anna Netrebko die beiden Latino- Tenöre in ihre Arme: Als Franz Lehárs als Terzett dargebotenes «Dein ist mein ganzes Herz» verklungen war, rückten die beiden «Nebenbuhler» Plácido Domingo und Rolando Villazón Wange an Wange an die Primadonna heran. Es war die Geste des Abends. Der Gipfel der Klassik - wie die Freiluft-Arienserie beworben wurde - war nach zwei Stunden erstürmt. Die 20.000 Zuhörer in der Berliner Waldbühne waren schon längst dahin geschmolzen, nun rafften sie sich zu einem letzten Jubelschrei unter dem wolkenverhangenen Freitagabendhimmel auf. Angesichts eines drohenden Gewitters waren die Sänger ohne Pause aufgetreten.

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Vielleicht war es nur Zufall: Auf den Tag genau vor 16 Jahren hatten in den römischen Caracalla-Thermen die «Drei Tenöre» ihr Debüt gegeben. Damals waren mit Domingo, Luciano Pavarotti und José Carreras Opernsänger im Combo noch eine Neuheit. Nun sollte mit Domingo als gemeinsamem Nenner der beiden Abende die «Sommernachtsmusik», wie das ZDF seine Live-Übertragung genannt hatte, an den italienischen WM-Sommer von 1990 anknüpfen. Zum ersten Mal traten die drei wohl bekanntesten Opernsänger der Gegenwart gemeinsam auf, nur einen Steinwurf entfernt vom Berliner WM-Stadion.

Villazón mit Kulleraugen

Wirklich zusammen sang das Trio allerdings nur ein paar wenige Titel. Gleich zwei Mal - im ersten Teil und als Zugabe - versammelten sie sich für Lehárs Arie aus der Operette «Land des Lächelns» vor den Mikrofonen. Das Duo Netrebko-Villazón ist als Salzburger «Traviata»- Traumpaar von CD und DVD schon länger bekannt. Auf der Waldbühne schlüpften die beiden in ihre Rollen, gerieten gefährlich nah zusammen, neckten sich, deuteten heiße Küsse an.

Wirklich aufhorchen ließen aber Domingo und der 30 Jahre jüngere Villazón - der Entdecker und sein Schüler. Dabei zeigte der Spanier Domingo, wo noch immer seine Stärke liegt: Während der heißblütige Mexikaner mit seinen Kulleraugen stark auf Effekte setzte, zog Senor Domingo äußerst ökonomisch alle Register seines expressiven Könnens.

Keuscher Kontrapunkt

Wenn Villazón etwa im bittersüßen Bolero «Júrame» mit makelloser Stimme das rollende R als Signal enttäuschter Liebe einsetzt, braucht Domingo nur zu hauchen oder die Stimme zu dämpfen, und jeder in der Arena versteht sofort: Hier geht es um Alles - etwa in der Arie «Au fond du temple saint« aus Bizets «Perlenfischer». Domingo überließ hier dem Jüngeren die hohen Lagen, begnügte sich mit dem tiefen Bariton im Hintergrund. Der Mentor, der Villazón 1999 entdeckt hatte, zeigte wahre Größe.

Und dazwischen immer wieder Anna Netrebko. Wechselweise in lila- glitzernder oder rot-schimmernder Abendrobe und einem dicken Perlencollier um den Hals gab die Russin mit ihrem dunklen Sopran den eher keuschen Kontrapunkt zu den schwärmenden Latino-Tenören. In Lehárs Arie «Meine Lippen, sie küssen so heiß» kommen die Sopranistin und das Orchester der Deutschen Oper Berlin (Leitung: Marco Armiliato) allerdings nur langsam in Walzer-Schwung.

Als Netrebko und Villazón dann zusammen den Opern-Evergreen «O soave fanciulla» aus der «Bohème» einstimmten, steigerten sich die Zuhörer zum frenetischen Applaus. In der Dunkelheit schienen die Batterie betriebenen Leuchtkerzen, die ein Mobilfunkanbieter als Konzertsponsor am Eingang hatte verteilen lassen. (dpa)

 
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