netzeitung.deNeu in Berlin: Museum fürs deutsche Fernsehen

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Website des Fernsehmuseums Screenshot: nz (Screenshot: nz<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Website des Fernsehmuseums Screenshot: nz
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

53 Jahre west- und ostdeutsche Fernseh-Geschichte haben einen Platz gefunden. Das Deutsche Fernsehmuseum öffnet in Berlin. Zu sehen sind Höhepunkte deutschen TV-Schaffens ebenso wie so genannte Kellerfilme des DDR-Fernsehens.

Von Elke Vogel

Das Fernsehen ist reif fürs Museum. Nach fast 20 Jahren wird der lang gehegte Plan für ein Deutsches Fernsehmuseum in Berlin Wirklichkeit. An 31. Mai wird die Sammlung im Filmhaus am Potsdamer Platz eröffnet. Ob «Bonanza» im West- Fernsehen oder «Russisch für Sie» im Ost-Fernsehen, die Bilder der Fußball-WM von 1954 oder die heutigen Nachrichtensendungen von Öffentlichen und Privaten - das Museum zeigt 53 Jahre west- und ostdeutsche Fernsehgeschichte. In der westlichen Besatzungszone startete das Fernsehen am 25. Dezember 1952. Der russische Sektor ging mit einem Versuchsprogramm bereits vier Tage früher auf Sendung - pünktlich zu Stalins 73. Geburtstag.

Das Fernsehmuseum komplettiere das Filmhaus am Potsdamer Platz zu einem in Europa einmaligen «House of Moving Images», so die Ausstellungsmacher von der Deutschen Kinemathek. In einem Gebäude versammelt sind dann nicht nur das Film- und das Fernsehmuseum versammelt, sondern auch die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin, das Internationale Forum des Jungen Films der Berlinale sowie die Stiftung Deutsche Kinemathek mit Filmarchiv und zwei Kinos.

Überlegungen seit den 80er Jahren
Bereits Ende der 80er Jahre hatte der Filmemacher Eberhard Fechner («Comedian Harmonists») einen Ort zur Aufbewahrung von Fernsehfilmen gefordert - nachdem er feststellen musste, dass viele seiner Filme gelöscht worden waren. Das Projekt sei immer wieder auf die lange Bank geschoben worden, sagen Peter-Paul Kubitz und Sabine Sasse vom Fernsehmuseum. «Einerseits, weil das Geld fehlte, andererseits, weil man sich nicht einigen konnte.»

Jetzt ist das Fernsehmuseum Teil der Stiftung Deutsche Kinemathek und wird unter anderem aus dem Etat von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) gefördert. Geld kommt außerdem von ARD und ZDF. RTL und ProSiebenSat.1 steuert TV-Material bei.

In der Anfangszeit der bewegten Bilder auf der Mattscheibe wurden viele Sendungen gleich wieder gelöscht. «Entweder aus Platz- oder Materialmangel oder schlicht aus fehlender Sensibilität für die künftige Bedeutung des gesendeten Materials», so die Macher des Fernsehmuseums.

Lieblingssendungen aussuchen
In einer «Programmgalerie» können Besucher nun aus zunächst 500 Produktionen ihre Lieblingssendungen auswählen. Ganz entspannt in großen Sofas zurückgelehnt können die Filme dann in voller Länge angesehen werden. Eine Datenbank liefert Hintergrundinfos zu Regisseur, Schauspielern und Ausstrahlung.

Entwicklung im «Zeittunnel»
Im «Zeittunnel» ist alles Wissenswerte rund um die historische Entwicklung des Mediums Fernsehen zu erfahren. Von den Anfängen Ende des 19. Jahrhunderts über die ersten Fernsehversuche in der Weimarer Zeit, Fernsehen im Nationalsozialismus, die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen in Ost und West bis zum heutigen Programm.

Auf Monitoren wird gezeigt, was Fernsehen bis heute ausmacht: Die Live-Berichterstattung aus aller Welt. Zu sehen sind unter anderem die Krönung von Elizabeth II., die berühmte Rede John F. Kennedys vor dem Berliner Rathaus Schöneberg und die erste Mondlandung. Bewegende und tragische Bilder aus heutiger Zeit sind das Attentat auf das World Trade Center und die Beerdigung von Papst Johannes Paul II..

Höhepunkte deutscher TV-Unterhaltung
Im «Spiegelsaal» wird der Zuschauer auf eine 30-minütige Reise durch die deutsch-deutsche Fernsehwirklichkeit geschickt. Dutzende Fernseher und ihr gespiegeltes Bild zeigen Höhepunkte der deutschen Fernsehunterhaltung mit Peter Frankenfeld, Heinz Quermann, Hans-Joachim Kulenkampff, Rudi Carrell, Hans Rosenthal, Helga Hahnemann, Alfred Biolek und Hella von Sinnen.

Kellerfilme
Zu sehen sind auch Ausschnitte aus den so genannten Kellerfilmen der DDR. Darunter Szenen aus der 1978 nach einmaliger Ausstrahlung im DFF, dem Fernsehen der DDR, ins Archiv verbannten Parabel «Geschlossene Gesellschaft» von Frank Beyer. Autor Klaus Poche und Hauptdarsteller Armin Mueller-Stahl verließen kurze Zeit später die DDR. Für das Publikum ist das Museum vom 1. Juni an geöffnet. (dpa)