Spuck lässt Grusel-«Sandmann» tanzen
08.04.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Der mit dem Deutschen Tanzpreis «Zukunft 2006» geehrte Choreograf Christian Spuck hat mit einer neuen Arbeit am Stuttgarter Ballett seine Fans in einen wahren Freudentaumel versetzt. Die Uraufführung der Choreographie nach E.T.A. Hoffmanns Erzählung «Der Sandmann» belohnte das Premierenpublikum am Freitagabend mit einem Pfeifkonzert der Begeisterung.
Spuck bietet alles, was Ballett haben muss. Er meistert personell stark besetzte Sequenzen zu großen Orchesterpassagen so stilsicher wie auch Soli zum Klavier. Für die immer wieder wechselnde Stimmung in der Musik, die mal Filmmusik, mal sinfonisch, mal Techno ist, platziert er Musiker auch auf der Bühne.
Spuck bleibt dicht an der literarischen Vorlage um den Studenten Nathanael, der an den bösen Sandmann glaubt. Dabei ist die Inszenierung vor meist kargen Wänden und mit den Tänzern in Anzügen und den Frauen in langen Kleidern (Kostüme: Emma Ryott) insgesamt nicht so blutrünstig wie das Buch von 1816. Das Licht (Reinhard Traub) passt sich den hellen und dunklen Momenten, den Rückblenden und Träumen in Hoffmanns Nachtstück an.
Auf einem Ball entdeckt Nathanael die vermeintliche Tochter Spalanzanis, Olimpia, die sich als Automat entpuppt. Maria Eichwald war in einem roten Tutu nicht nur der einzige Farbtupfer des sonst in matten blauen, grauen und braun gehalten Tönen des Abends, für ihre restlos überzeugende Darbietung der auf Spitzen getanzten hölzernen Puppe erhielt sie auch spontanen Applaus.
Auch die anderen Solisten Reilly, Godunov und Professor Spalanzani Pettenella stehen ihm in nichts nach. Clara, Nathanaels wahre Freundin, ist mit der ausgeglichenen Katja Wünsche bestens besetzt. Mit diesem zweiten Handlungsballett in Stuttgart knüpft Spuck an seinen Erfolg mit «Lulu. Eine Monstertragödie» von 2003 an. (dpa)

