07.04.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Das Amerika Haus
Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH
Es war einst die Anlaufstelle der 68er. Jetzt macht das Amerika Haus in Berlins westlicher Innenstadt zu.
Das Amerika Haus, eine wichtige Adresse der West- Berliner Geschichte, schließt. Die US-Botschaft hat den Mietvertrag des Kulturzentrums bei der Stadt gekündigt. Die Mitarbeiter ziehen in den kommenden Wochen in den Anbau eines Gebäudekomplexes der Botschaft in Dahlem, teilte diese am Freitag mit.
Am Brandenburger Tor wird derzeit am historischen Standort ein großer Botschaftsneubau errichtet, der bis Ende 2007 fertig sein soll. Im Rahmen des Umzugs wird das Amerika Haus dann geschlossen. Die Programme werden dennoch fortgesetzt, der Veranstaltungsort ist noch offen.
Anfang als LesestubeDas Amerika Haus nahe dem Bahnhof Zoologischer Garten war einst Anlaufstelle der 68er Generation. Auf der Straße lieferten sich die Demonstranten, die dort gegen den Vietnam-Krieg protestierten, viele Schlachten mit der Polizei, mit Tränengas und Wasserwerfern. Auch zum Golfkrieg in den 90er Jahren gab es vor dem Haus Demonstrationen.
Das Kulturzentrum begann nach dem Zweiten Weltkrieg als Lesestube in der Kleiststraße, wechselte später an den Nollendorfplatz und zog 1957 in den modernen Bau in der Hardenbergstraße, der eigens mit Mitteln aus dem Marshallplan gebaut wurde.
Ort des DialogsDas Amerika Haus hatte als kulturpolitische Aufgabe, die Bürger nach dem Ende des Nationalsozialismus mit Informationen zu versorgen und verstand sich als Ort des Dialogs. Es war unter anderem Anlaufstelle für Studenten, die sich auf Austauschprogramme vorbereiteten. Der Mietvertrag für das Amerika Haus endet am 30. September. (dpa)