netzeitung.deAbbado triumphiert mit Mahlers «Vierter»

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Claudio Abbado (Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH)

Lupe Claudio Abbado
Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mit Bergs «Sieben frühen Liedern» und Mahlers «Vierter Symphonie» haben Claudio Abbado und Renée Fleming in der Berliner Philharmonie einen Sturm der Begeisterung ausgelöst.

Von Corina Kolbe

Claudio Abbado ist noch nicht auf der Bühne zu sehen, doch sein Auftritt hat längst begonnen. Der Maestro lässt am Freitagabend in der Berliner Philharmonie spannungsreiche Minuten verstreichen, bevor er gemeinsam mit der amerikanischen Sopranistin Renée Fleming den frenetischen Beifall des Publikums entgegennimmt.

Zum zweiten Mal seit seinem Abschied als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker ist Abbado für drei Konzerte an seine alte Wirkungsstätte zurückgekehrt. Wie bereits im vergangenen Juni dirigiert er Gustav Mahler - statt der «Sechsten» nun die «Vierte Symphonie».

Der Abend beginnt mit Alban Bergs stimmungsvollen «Sieben frühen Liedern» (1905-08), Vertonungen von Gedichten Rilkes, Storms oder Lenaus, die von Liebesträumen und schwärmerischer Naturversunkenheit handeln.

Besonders ausdrucksvoll ist Flemings klarer, schöner Sopran, als sie in «Die Nachtigall» den Zauber des Gesangs preist. Meisterhaft arbeiten Abbado und die Philharmoniker die unterschiedlichen Klangfarben heraus. In der 1928 entstandenen Orchesterfassung hat Berg für jedes Lied eine andere Besetzung vorgesehen - mal sind nur Streicher, mal Holzbläser, Hörner, Harfe und Schlagwerk im Einsatz.

Auf einem Lied basiert auch die «Vierte Symphonie» (1901), in der Mahler eine naiv-kindliche Sehnsucht nach Idylle mit humoristischen Mitteln ad absurdum führt. In «Das Himmlische Leben», nach einem Gedicht aus der «Wunderhorn»-Sammlung des Romantikers Brentano, singt Fleming von einem Paradies, das sich rasch als sinnenfrohes, chaotisches Schlaraffenland entpuppt.

Lange Stille nach dem letzten Ton
Bereits in den drei ersten Sätzen werden die von Mahler beabsichtigten Kontraste deutlich, Heiteres und Beunruhigendes stehen nebeneinander. Dem kindlich-heiteren Schellengeläut, das die Symphonie einleitet, werden etwa die schrille Solovioline des Todes im «Scherzo» und die klagenden Töne im «Adagio» entgegengesetzt.

Nach dem Verklingen des letzten Tons zelebriert Abbado die «Stille nach dem Schluss». Das Publikum lauscht der Musik lange nach, bevor es - durch eine kurze Geste des Maestro in das Hier und Jetzt zurückgeholt - mit stürmischem Applaus einsetzt. Sichtlich genießt der Maestro die Begeisterung im Saal. Zum Schluss kehrt er noch einmal ganz allein auf die leere Bühne zurück und lässt sich ohne Fleming und das Orchester feiern.